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Preise für gute Lehre 2026

Vor 50 Jahren wurde Randolf Menzel an die Freie Universität Berlin berufen.

Vor 50 Jahren wurde Randolf Menzel an die Freie Universität Berlin berufen.
Bildquelle: Marion Kuka

Bevor beim Sommerfest des Fachbereichs der Grill angeheizt wurde, standen zunächst die Lehrenden im Mittelpunkt: Studierende zeichneten sie mit den Preisen für gute Lehre aus und würdigten ihr Engagement.

Grundlage ist eine Umfrage der Fachschaftsinitiativen unter den Studierenden. Nominiert werden können alle Lehrenden – von Professor*innen über wissenschaftliche Mitarbeitende bis hin zu Tutor*innen. Das Preisgeld stellt der Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie zur Verfügung, die Auswahl liegt jedoch vollständig in den Händen der Studierenden.

In ihren Reden zitierten die Studierenden aus den Umfragekommentaren und erzählten von ihren persönlichen Erfahrungen mit den Ausgezeichneten.

Doch zuerst würdigte Prof. Dr. Robin Hiesinger das Wirken von Randolf Menzel in einer spannenden und unterhaltsamen Laudatio, denn der Neurobiologe wurde vor 50 Jahren an der Freien Universität Berlin zum Professor ernannt. Als Emeritus ist Prof. Dr. Dr. h.c. Randolf Menzel heute noch in Forschung und Lehre aktiv. 

Biologie: Annika Rüdinger, MSc

Annika Rüdiger

Annika Rüdiger
Bildquelle: Marion Kuka

Preisträgerin Annika Rüdinger war zunächst Tutorin im Vertiefungsmodul Botanik, inzwischen leitet sie als Doktorandin  das Botanik-Praktikum. In der Laudatio wurde besonders ihre offene und wertschätzende Art hervorgehoben: „Die Studis hatten an keinem Punkt das Gefühl, dass es doof wäre, zum dritten Mal die gleiche Frage zu stellen.“

Auch Studierende mit anfangs wenig Interesse nahmen aus ihrem Kurs viel Wissen mit und sehen sich nun die Pflanzen in ihrer Umgebung genauer an. Trotz des umfangreichen Lernstoffs sorgt sie mit einer klaren Struktur für eine motivierende Lernatmosphäre. Als „einen der effektivsten und lehrreichsten Kurse bisher“ bezeichneten Studierende ihr Praktikum und lobten ihre ansteckende Begeisterung für Pflanzen. 

Die habe sie als Studentin im Modul Evolution und Diversität der Pflanzen entwickelt, berichtet die Preisträgerin – auch dank der engagierten Lehrenden. Für ihre Auszeichnung bedankte sie sich deshalb besonders bei ihrem Team und ihrer Kollegin Katja Reichel.

Biochemie: Dr. Jerome Jatzlau

Dr. Jerome Jatzlau (Mitte)

Dr. Jerome Jatzlau (Mitte)
Bildquelle: Marion Kuka

Der Preis der Biochemie geht an eine Person, „die in ihrem gesamten Werdegang ein Pensum an Liebe und Dedication in die Lehre investiert hat, das so ganz selten zu finden ist“, sagt die Laudatorin. Besonders hob sie hervor, dass Jerome Jatzlau diese Jahr das Modul „From Force to Function: Principles of Mechanobiology“ entwickelt hat. Mit Materialien aus aktuellen Publikationen, aktivierenden Lehrmethoden und modernen Medien vermittelt er Inhalte auf zeitgemäße Weise.

„Es ist ein Phänomen, wie du erkennst, was einzelne Studierende brauchen und sie individuell unterstützt“, hieß es in der Laudatio. „Du bringst uns mit Vertrauen, Zuversicht und Realismus an unsere Ziele. Lehre auf Augenhöhe ist für dich selbstverständlich. Danke für alles, was du uns gibst. Du bedeutest uns super viel und wir brauchen dich.“ 

Der Preisträger dankte den Studierenden für das Vertrauen, sich auf ein neues Modul einzulassen. Sein Dank galt außerdem Prof. Florian Heyd und Prof. Sutapa Chakrabarti, die ihn ermutigt hatten. Auch das Dahlem Center for Academic Teaching erwähnte er als wichtige Quelle für seine Lehre.

Chemie: Dr. Allison Berger

Dr. Allison Berger (rechts)

Dr. Allison Berger (rechts)
Bildquelle: Marion Kuka

„Man merkt, dass ihr die Studierenden wichtig sind“, so der Laudator über Allison Berger, die den Preis für gute Lehre in der Chemie erhielt. Ihr Ziel ist nicht nur, dass Studierende Klausuren bestehen, sondern den Stoff wirklich verstehen. Dafür kombiniert sie anschauliche Folien und Tafelbilder mit Videos, aktuellen Forschungsbeispielen und unterschiedlichen Erklärungsansätzen. „Gerade bei Themen, die auf wenig Begeisterung stoßen, schaffst du es mit einer Prise Humor und großer Erzählbegeisterung, dass wir 90 Minuten am Ball bleiben“, ergänzte der Laudator. Offenheit, Kreativität, Geduld und echtes Interesse an den Menschen: „All das bringst du mit, deshalb freuen wir uns, auch in Zukunft von dir lernen zu können.“

Allison Berger betonte in ihrer Dankesrede, gute Lehre entstehe vor allem dann, „wenn Menschen miteinander verbunden sind“. „Ich denke, wir alle haben etwas zu lehren und zu lernen.“ Für ihre eigene Lehrentwicklung dankte sie dem Dahlem Center for Academic Teaching sowie der Arbeitsgruppe von Professorin Beate Koksch.

Pharmazie: Prof. Dr. Timo Niedermeyer

Prof. Dr. Timo Niedermeyer (rechts)

Prof. Dr. Timo Niedermeyer (rechts)
Bildquelle: Marion Kuka

Schon zum zweiten Mal erhielt Prof. Dr. Timo Niedermeyer, Leiter der Arbeitsgruppe Pharmazeutische Biologie, den Preis für gute Lehre. „Er bereitet uns Studierende mit der Biochemie-Vorlesung ideal auf das erste Staatsexamen vor, und auch auf das zweite Staatsexamen mit der Ringvorlesung in Pharmazeutischer Biologie“, sagte die Laudatorin. Neben den fachlichen Themen vermittelt er auch pharmazeutisch-politische Zusammenhänge und lockert seine Vorlesungen mit Fun Facts und Tiervideos auf. „Da merkt man einfach, dass Sie Spaß an der Lehre haben.“

Die unterhaltsamen Elemente seiner Vorlesungen verdankt er teils auch seiner Familie, verriet Timo Niedermeyer. Die Sprüche seiner jugendlichen Kinder greift er manchmal auf, sie zeigen ihm, wie junge Erwachsene denken und sprechen. Und seine Frau hält es geduldig aus, wenn er abends noch aktuelle Debatten für die Vorlesung zusammenfasst.

Ehrenpreise

Biochemie: Dr. Bernhard Loll

Dr. Bernhard Loll (links)

Dr. Bernhard Loll (links)
Bildquelle: Marion Kuka

„Seine Arbeit bleibt für viele Studierende im Verborgenen“, so die Laudatorin über Bernhard Loll, der mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet wurde. Doch er schafft ein Umfeld, in dem Studierende flexibel arbeiten können und hält ihnen den Rücken frei. „Mit ihm als Betreuer habe ich mich jederzeit ernst genommen, sicher und kompetent betreut gefühlt.“

„Bernhard ist einfach der Macher“, lautete das Fazit der Studierenden. Sie schätzen ihn als Ansprechpartner, der sich Zeit für Erklärungen nimmt und sie bei Problemen unterstützt. Auch als Erasmus-Beauftragter hilft er schnell und kompetent. „Danke für Ihre überragende Zuverlässigkeit, Spontanität, Ihre frechen Ideen und dafür, dass Sie es schaffen, auch stressige Labortage ein bisschen lustiger zu gestalten“, schloss die Laudatorin.

„Erasmus ist mir ans Herz gewachsen“, sagte Bernhard Loll. Und als Betreuer vieler Abschlussarbeiten lerne er selbst ständig Neues. Mit vielen Alumni ist er bis heute in Kontakt: „Sie sind eine Art Familie geworden.“

Biologie: Dr. Katja Reichel

Dr. Katja Reichel (rechts)

Dr. Katja Reichel (rechts)
Bildquelle: Marion Kuka

In ihren Kursen sollen Studierende nicht nur Klausuren bestehen, sondern Wissen mitnehmen, das ihnen später hilft – so beschreibt die Laudatorin Katja Reichel. In der Umfrage der Fachschaft lobten die Studierenden sie als gut strukturiert, hilfsbereit und engagiert. Besonders hervorgehoben wurden ihre gelungene Gestaltung der Onlinelehre während der Corona-Pandemie sowie ihr neues Konzept für das Vertiefungsmodul Botanik, mit dem sie viele Studierende für das Fach begeisterte. Katja Reichel bedankte sich für die Auszeichnung: „Ich freue mich darüber, wenn Sie später auch etwas mit dem anfangen können, was ich Ihnen beigebracht habe.“

Chemie: Dr. Reinhold Zimmer

Dr. Reinhold Zimmer

Dr. Reinhold Zimmer
Bildquelle: Marion Kuka

„Ohne WiMis wie ihn würde an dieser Uni nichts laufen“, beginnt Christoph Schulz seine Laudatio auf Reinhold Zimmer, der nach fast drei Jahrzehnten in der Chemie in den Ruhestand geht. Besonders prägte er das Synthesepraktikum im Bachelorstudium und betreute zahlreiche Bachelor- und Masterarbeiten. Vielen Studierenden werden außerdem seine NMR-Rätsel und die Tippspiele zu Europa- und Weltmeisterschaften in Erinnerung bleiben. Mit dem Ehrenpreis bedankten sich die Studierenden für sein langjähriges Engagement.

Chemie: Dr. Roman Flesch

Dr. Roman Flesch (links)

Dr. Roman Flesch (links)
Bildquelle: Marion Kuka

Ein weiterer Ehrenpreis ging an Roman Flesch, der ebenfalls kurz vor dem Ruhestand steht. Der wissenschaftliche Mitarbeiter leitet das PC-Grundpraktikum und wird von den Studierenden für seine verständliche Lehre und seine Geduld geschätzt. „Er bringt uns zum Lachen und sorgt gleichzeitig dafür, dass wir den Stoff verstehen“, sagte der Laudator. Zum Abschluss dankte die Fachschaft ihm „vom ganzen Herzen für seine Zeit und Geduld, seinen Enthusiasmus und Humor“.

Roman Flesch nutzte die Auszeichnung für eine Botschaft an die Studierenden: Es mache ihn betroffen, wenn ihrer Generation nachgesagt werde, sie seien nicht leistungsbereit. Dabei seien die Anforderung heute doch viel höher als früher. „Sie sind in Ordnung!“, gab er den Studierenden mit auf den Weg. „Sie brauchen sich nicht zu ändern. Es ist alles Bestens!“

Pharmazie: Prof. Dr. Alexander Weng

Mit dem Ehrenpreis verabschiedeten die Studierenden Alexander Weng, der nach Lehrtätigkeiten in Genetik, Pharmazeutischer Biotechnologie und weiteren Fächern am Institut für Pharmazie an die Universität Halle wechselt. Sie würdigten seine ruhige und geduldige Art, mit der er selbst komplexe Inhalte verständlich vermittelt und sie auf das erste Staatsexamen vorbereitet habe. „Sein Humor ist etwas ganz Besonderes. Den hat man oft erst ein paar Sekunden später oder auch erst auf dem Heimweg erkannt“, ergänzte die Laudatorin.

Da Alexander Weng den Preis nicht persönlich entgegennehmen konnte, richtete er sich per Grußbotschaft an die Anwesenden: „Den größten Erkenntnisgewinn halten häufig die Falschergebnisse bereit“, hieß es unter anderem darin. Besonders wichtig sei ihm eine interaktive Lehre im Dialog mit den Studierenden. Für deren Interesse und Mitgestaltung des Unterrichts bedanke er sich ausdrücklich.

Pharmazie: Prof. Dr. Ronald Gust

Prof. Dr. Ronald Gust (Ehrenpreis Pharmazie)

Prof. Dr. Ronald Gust (Ehrenpreis Pharmazie)
Bildquelle: Marion Kuka

Einen Ehrenpreis der Pharmazie erhielt auch Prof. Dr. Ronald Gust, der kurzfristig die Vorlesung in Medizinischer Chemie für einen erkrankten Kollegen übernahm. Als er vor 16 Jahren die FU Berlin in Richtung Innsbruck verließ, habe er nicht gedacht, dass er zurückkehren und ausgezeichnet werden würde. Dann wurde aber alles so organisiert, dass es problemlos klappt: Nur noch vier Termine und die Studierenden sind in seinem Fach fit für das Staatsexamen. Ronald Gust wünschte den Studierenden alles Gute für die Prüfung. „Und dass Ihre Durchfallquote gleich Null ist!“

Pharmazie: Prof. Dr. Martin Schulz

Prof. Dr. Martin Schulz

Prof. Dr. Martin Schulz
Bildquelle: Marion Kuka

„Zuerst fällt immer auf, dass Sie aus Hamburg kommen“, sagte die Laudatorin über den dritten Ehrenpreisträger der Pharmazie, Prof. Dr. Martin Schulz. Als Pharmazeut und Pharmakologe bringt er seine Expertise unter anderem in zahlreichen Kommissionen, Verbänden und Arbeitskreisen ein und ist seit 2019 Honorarprofessor an der Freien Universität. Die Studierenden schätzen, dass er auch abstrakte Themen verständlich vermittelt und sie selbst ohne Klausur für seine Lehrveranstaltungen begeistern kann.