Springe direkt zu Inhalt

Neues Forschungsprojekt untersucht, wie Fruchtfledermäuse Geräusche und Gerüche kombinieren

Dr. Susanne Babl

Dr. Susanne Babl
Bildquelle: Annalena Babl

News vom 06.05.2026

Fledermäuse orientieren sich nicht nur mit Ultraschall – sie hören, riechen und treffen dabei erstaunlich komplexe Entscheidungen. Ein neues Forschungsprojekt untersucht nun, wie Fruchtfledermäuse unterschiedliche Sinneseindrücke verarbeiten, um Nahrung zu finden. Dabei wollen Forschende besser verstehen, wie das Gehirn Informationen aus verschiedenen Sinnen kombiniert und daraus Verhalten entsteht.

Projektverantwortliche ist die Biologin Dr. Susanne Babl aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Julio Hechavarria am Institut für Biologie. Gefördert wird das Vorhaben durch das Walter-Benjamin-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Das Programm soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Qualifizierungsphase nach der Promotion ermöglichen, ein eigenes Forschungsprojekt selbstständig an einem Ort ihrer Wahl umzusetzen.

Im Mittelpunkt der Studie steht die Kurzschwanzfruchtfledermaus (Carollia perspicillata). Die Tiere leben in Mittel- und Südamerika und ernähren sich vor allem von Früchten. Um reife Nahrung zu finden, nutzen sie nicht nur ihre Echoortung, sondern auch Gerüche und möglicherweise die Rufe anderer Fledermäuse. Dadurch könnten sie zum Beispiel erkennen, wo Artgenossen bereits Futter entdeckt haben oder ob Gefahr droht.

Das Forschungsprojekt verbindet Feldforschung mit moderner Hirnforschung. Dafür beobachten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zuerst das Verhalten von wildlebenden Fledermäusen in Panama, und untersuchen dann die neuronale Aktivität während dieser Verhaltensweisen im Labor. Ziel ist es herauszufinden, wie sinnesübergreifende Reize das Verhalten beeinflussen und welche Prozesse dabei im Gehirn ablaufen.

Die Feldforschung findet am Smithsonian Tropical Research Institute in der Arbeitsgruppe von Dr. Rachel Page statt. Dort testen die Forschenden, wie Fledermäuse auf verschiedene Gerüche reagieren – etwa auf reife oder verdorbene Früchte – und wie sich gleichzeitig abgespielte Laute anderer Fledermäuse auf ihre Entscheidungen auswirken.

An der Freie Universität Berlin untersuchen die Forschenden anschließend, wie das Gehirn diese Informationen verarbeitet. Dazu messen sie die Aktivität von Nervenzellen, während die Tiere die zuvor charakterisierten Sinnesreize wahrnehmen und entsprechende Entscheidungen bei der Nahrungssuche treffen.

Die Studie soll helfen zu verstehen, wie Säugetiere Informationen aus verschiedenen Sinnen miteinander verknüpfen, um in komplexen Umgebungen Entscheidungen zu treffen. Die Erkenntnisse könnten nicht nur die Fledermausforschung voranbringen, sondern auch neue Einblicke in die Funktionsweise des Gehirns liefern.

Kontakt: s.babl[at]fu-berlin.de

3 / 16