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EU-Projekt FAIR erforscht neue Therapie gegen antibiotikaresistente Lungenentzündung

Das Auftakttreffen für das EU-Projekt FAIR fand von 13. bis 14. Januar 2020 in Paris statt.

Das Auftakttreffen für das EU-Projekt FAIR fand von 13. bis 14. Januar 2020 in Paris statt.

News vom 20.01.2020

Das internationale Konsortium „FAIR“ erhält 10 Millionen Euro aus dem EU-Programm Horizon 2020, um Alternativen zur Behandlung antibiotikaresistenter Lungenentzündungen zu erforschen. Beteiligt ist auch ein Team um die Professorin Charlotte Kloft vom Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin. Das Auftakttreffen fand von 13. bis 14. Januar 2020 in Paris statt.

Der Projektname „FAIR“ steht für „Flagellin-Aerosoltherapie als immunmodulatorischer Kombinationsansatz zur antibiotischen Behandlung der medikamentenresistenten bakteriellen Lungenentzündung“. Im FAIR-Projekt haben sich Expertinnen und Experten aus mehreren führenden medizinischen und gesundheitswissenschaftlichen Einrichtungen Europas zusammengeschlossen. Ab Januar 2020 werden sie über einen Zeitraum von fünf Jahren mit insgesamt 10 Millionen Euro aus dem EU-Programm Horizon 2020 gefördert.

Das FAIR-Konsortium wird Therapien untersuchen, die als Alternative zur alleinigen Antibiotikabehandlung von Lungenentzündungen eingesetzt werden können. Bei Patienten mit einer Lungenentzündung füllen sich die winzigen Luftsäcke in der Lunge, die so genannten Alveolen, mit Flüssigkeit, wodurch das Atmen erschwert wird. Lungenentzündungen sind weltweit die dritthäufigste Todesursache, betroffen sind vor allem Kinder und ältere Menschen. Die bakteriellen Erreger der Lungenentzündung werden zunehmend resistent gegen Antibiotika, was die Behandlung stark erschwert. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass bakterielle Infektionen aufgrund von antimikrobiellen Resistenzen (AMR) bis 2050 weltweit die Haupttodesursache sein werden.

Die Projektpartner wollen ihre Forschung auf das körpereigene Immunsystem des Patienten konzentrieren, das in der Arzneimittelforschung aus ihrer Sicht bisher zu wenig Beachtung findet. Dabei wollen sie herausfinden, ob sich die Wirksamkeit von Erstlinien-Antibiotika mit der Gabe des immunmodulierenden Kombinationspartners Flagellin – ein globuläres Protein – verbessern lässt. Der Wirkstoff gelangt dabei aus einem Vernebler über die Atemwege direkt ins infizierte Gewebe und soll dort körpereigene Abwehrreaktionen stimulieren. So konzentriert sich die Wirkung direkt am Ort der Infektion und Nebenwirkungen werden vermieden.

Darüber hinaus wird das FAIR-Team untersuchen, wie hoch die Akzeptanz einer solchen Zusatztherapie bei Patientinnen, Patienten und medizinischem Fachpersonal ist, und wie Flagellin als kostengünstige Ergänzung zur konventionellen Behandlung von AMR-Pneumonie in europäischen Gesundheitssystemen eingesetzt werden könnte.

Jean-Claude Sirard, wissenschaftlicher Koordinator von FAIR und Teamleiter am Institut Pasteur de Lille, erklärte: „Zum ersten Mal wird das FAIR-Team die körpereigenen Abwehrreaktionen im Zusammenhang mit der Behandlung von antibiotikaresistenten Lungenentzündungen untersuchen. Wir wollen eine klinische Studie der Phase I zur Gabe eines immunstimulierenden Biologikums über die Atemwege durchführen. Dabei untersuchen wir auch den Zusammenhang zwischen molekularen und zellulären Profilen in Blutzellen und Geweben und dem Behandlungserfolg.“

Er fuhr fort: „Wir nutzen auch Genomanalysen und mathematische Modellierung, um typische molekulare Muster für das Ansprechen oder Nicht-Ansprechen auf Standard-Antibiotikatherapien zu identifizieren und die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte besser vorhersagen können. Wir glauben, dass dieser umfassende, einzigartige Ansatz dazu beitragen kann, die Behandlung von Lungenentzündungen zu verbessern.“

Das Ziel des FAIR-Konsortiums ist es, ein Medikament als ersten Vertreter eines neuen Arzneistoffklasse zu entwickeln, das die Immunabwehr erhöht und damit die Wirksamkeit von Antibiotika bei antibiotikaresistenten Lungenentzündungen verbessert. In Zusammenarbeit mit medizinischen Gesellschaften und Patientengruppen will FAIR zudem wichtige Ergebnisse schneller in die klinische Versorgung bringen.

„Mich reizt besonders der interdisziplinäre Ansatz des FAIR-Projekts“, betont Charlotte Kloft. „Ich bin gespannt darauf, mit Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung, der Medizin, der Gesundheitsökonomie sowie mit Vertreterinnen und Vertretern von Patientengruppen zu kooperieren. Als Work Package Leader freue ich mich, durch mathematische Modellierung und Simulation eine Plattform für das Projekt zu entwickeln, die sowohl die neue Substanz charakterisiert als auch Vorhersagen für Dosierungen am Menschen und rationalere Studiendesigns erlaubt.“

Weitere Projektpartner neben dem Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin sind:

  • Academisch Medisch Centrum Bij de Universiteit Van Amsterdam, Niederlande
  • Aerogen Ltd, Irland
  • Centre Hospitalier Regional Universitaire de Tours, Frankreich
  • Epithelix Sarl, Schweiz
  • European Respiratory Society, Schweiz
  • Inserm Transfert Sa, Frankreich
  • Institut National de la Sante et de la Recherche Medicale, Frankreich
  • Statens Serum Institut, Dänemark
  • Universite de Lille, Frankreich
  • University of Southampton, England
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