Prof. Dr. John Molloy
Organische Chemie
Was haben Sie in Ihrem Berufsleben bisher gemacht?
Ich stamme ursprünglich aus Schottland, wo ich sowohl mein Bachelorstudium als auch meine Promotion an der University of Strathclyde absolviert habe. Während meines Studiums habe ich ein einjähriges Industriepraktikum am Beatson Institute for Cancer Research gemacht, bei dem ich mich auf die Wirkstoffforschung im Bereich Hit-to-Lead-Optimierung konzentriert habe. Anschließend bin ich nach Deutschland für einen Postdoc an die Universität Münster gegangen, bevor ich meine eigenständige wissenschaftliche Karriere am Max-Planck-Institut für Kolloidal- und Grenzflächenforschung in Potsdam begonnen habe.
Was reizt Sie an der neuen Stelle?
Ich habe das Gefühl, dass ich in der Fakultät wirklich großartige Kolleginnen und Kollegen habe, sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf persönlicher Ebene. Obwohl ich einige bereits recht gut kenne, da ich seit 2021 an der Freie Universität Berlin lehre, freue ich mich darauf, künftig noch enger mit ihnen im Rahmen gemeinsamer Projekte zusammenzuarbeiten. Außerdem freue ich mich darauf, stärker in die Arbeit mit Studierenden und in die Lehre eingebunden zu sein, ein Teil der Tätigkeit, der mir besonders viel Freude bereitet.
Was lieben Sie an Ihrem Beruf?
Ich denke, dass die Rolle als Mentor und die Möglichkeit, jemanden auf seinem Weg zu unterstützen und seine Zukunft mitzugestalten, der motivierendste und erfüllendste Teil meiner Arbeit sind. Aus wissenschaftlicher Sicht ist es für mich besonders reizvoll, die Freiheit zu haben, kreativ zu sein und an den Themen zu arbeiten, die mich wirklich interessieren, wodurch sich die Arbeit manchmal eher wie ein Hobby anfühlt.
Auf welche Aufgabe könnten Sie in Ihrem Beruf gern verzichten, erledigen sie aber natürlich trotzdem immer gewissenhaft?
Ich denke, wie die meisten Menschen bin ich kein großer Fan von viel Administration und Bürokratie. Ohne diese würde jedoch nichts reibungslos funktionieren, daher ist es wichtig, hier sorgfältig und gewissenhaft zu arbeiten.
Welcher Life Hack oder welche Erkenntnis hat Ihre Lehre beeinflusst?
Ich denke, wenn man sich für ein Thema interessiert und begeistert ist, wird das Lernen ganz natürlich und fällt leicht. Zum Beispiel könnte mein Vater Ihnen jeden Fußballspieler nennen, der jemals für die schottische Nationalmannschaft gespielt hat, hat aber keinerlei Interesse an organischer Chemie. Es ist wichtig, Vorlesungen interessant und spannend zu gestalten, um Studierende zu motivieren und ihre Neugier zu wecken, damit sie mehr wissen und lernen möchten. Ich hatte das Glück, von großartigen Dozierenden unterrichtet zu werden, die mich inspiriert haben, und ich versuche, dies genauso weiterzugeben.
Welchen Nutzen hat Ihre Forschung?
Unsere Kernforschungsinteressen liegen in der Organofluor-, Organobor- und Photochemie, mit einem besonderen Fokus darauf, wie wir diese Plattformen nutzen können, um neuartige kleine Molekülbausteine zu konstruieren. Fluor spielt eine wichtige Rolle in der medizinischen Chemie, da es während des Wirkstoffdesigns mehrere entscheidende Eigenschaften regulieren kann. Bor ist insbesondere als synthetischer Baustein von Bedeutung, da es in nahezu jede andere organische Funktionalität umgewandelt werden kann, wodurch Chemiker größere Moleküle aus kleineren Bausteinen aufbauen können. Die Photochemie bietet ein mächtiges Werkzeug, um hochenergetische Zwischenprodukte allein mithilfe von Licht als Aktivierungsmethode zu erreichen. Insgesamt würde ich sagen, dass unsere Forschung neue Syntheseplattformen eröffnet, die auf die medizinische Chemie angewendet werden können.
Was sollte man über Ihr Privatleben wissen?
Ich spiele immer noch so oft wie möglich Fußball, da es eine großartige Möglichkeit ist, den Kopf von der Arbeit freizubekommen und sich zu erholen, während man aktiv und fit bleibt. Das Gute ist, dass man in Deutschland normalerweise einen Verein findet, in dem man spielen kann, egal auf welchem Niveau man ist, was für jemanden aus Schottland mit eher wenig natürlichem Talent wichtig ist. Abgesehen davon reise ich gern und erkunde neue Städte. Mein Bruder lebt in Spanien und meine Eltern auf Zypern, daher ist es immer schön, dem Alltag zu entkommen und sonnigere Gegenden zu besuchen. Ich setze mich stark dafür ein, außerhalb des Labors Zeit für sich selbst zu haben. Es ist immer wichtig, Abstand zu gewinnen, denn oft lassen sich Probleme nach einer Pause und mit frischem Kopf viel leichter lösen.
Welche Person oder Persönlichkeit hat Sie beeinflusst, wie und warum?
Aus persönlicher Sicht würde ich sagen, dass meine Eltern mich am meisten geprägt haben. Sie haben mich dazu inspiriert, hart zu arbeiten, eine bodenständige Persönlichkeit zu entwickeln und alle Menschen mit Respekt zu behandeln.
Was hätten Sie gern früher gewusst?
Dass es oft hilfreicher ist, einen Schritt zurückzutreten und eine kurze Pause von der Wissenschaft zu machen, als 100 Reaktionen durchzuführen, um ein Problem zu lösen.
Weitere Informationen
- Interview: “Young Career Focus: Dr. John Molloy”, Thieme Chemistry, Synform (15. April 2024)
- Webseite der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. John Molloy
