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KMR-Potential

Einstufung

Die Einstufung erfolgt in Kategorien, die angeben, ob es ein nachgewiesenes Potential gibt. Die Kategorien lauten für krebserzeugende, erbgutverändernde oder reproduktionstoxische Stoffe sinngemäß gleich wie folgt:

Definition (vereinfacht) EU(alt) GHS
Sicher wirksam für den Menschen 1 1a
Im Tierversuch oder durch andere Befunde erwiesenermaßen wirksam 2 1b
Ernstzunehmende Verdachtsmomente auf Wirksamkeit 3 2

Stoffe, die sich nur anderweitig als eindeutig wirksam erwiesen haben, sind trotzdem auch für den Menschen als wirksam anzusehen. Jeweils die beiden ersten Kategorien der Tabelle ziehen deshalb die gleiche Kennzeichnung nach sich, weshalb bei der Kennzeichnung nur zwischen Stoffen mit erwiesenem Potential und solchen mit einem Wirkungsverdacht unterschieden wird:

GHS-Kennzeichnung

Piktogramm

Signalwort


Achtung


Gefahr


Gefahr

Kategorie

2

1b

1a

Krebserzeugend Kann vermutlich Krebs erzeugen. Kann Krebs erzeugen.
Erbgutverändernd Kann vermutlich genetische Defekte verursachen. Kann genetische Defekte verursachen.
Reproduktionstoxisch Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib schädigen. Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib schädigen.

Anders als bei akut toxischen Stoffen, bei denen eine konkrete Exposition bei einzelnen Individuen annähernd vergleichbare toxikologische Folgen hat, ist eine Exposition mit kmr-Stoffen "nur" mit einem Risiko verbunden, zu erkranken. Manchen trifft es also, andere nicht.

Gefahrstoffrechtlich sind Stoffe mit sehr schwachem Potential genauso zu behandeln, wie sehr stark wirksame, was oft verständlichen Verdruss bei Anwendern verursacht. Beispiele:

  • Chloroform ist ein Stoff, der in Deutschland als krebserzeugender Stoff zu behandeln ist, aber eine so schwache Wirksamkeit hat, dass bei Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwerts gar kein nennenswerter Beitrag zum Krebsrisiko zu erwarten ist.
  • Ethanol erzeugt (nur) bei missbräuchlichem Konsum verschiedene Krebserkrankungen (Leber, Speiseröhre, Brust). Die Wirkung ist so wenig ausgeprägt, dass man trotz Wissen um die sichere Wirksamkeit (und ja wohl sicher auch aufgrund entsprechender Lobby-Tätigkeit einschlägiger Getränkehersteller) inkonsequent darauf verzichtet hat, Ethanol als krebserzeugenden Stoff einzustufen.

Verdünnung

Gefahrstoffrechtlich sind krebserzeugende und mutagene Stoffe bis zu einer Verdünnung von 0,1 % noch als wirksam anzusehen. Bei Verdachtsstoffen ist bei Konzentrationen < 1 % nicht mehr von einem Wirkungsverdacht auszugehen. Für reproduktionstoxische Stoffe liegen die entsprechenden Grenzkonzentrationen bei 0,3 bzw. bei 3 %. Bei Stoffen mit harmonischer Einstufung sind z.T. niedrigere Konzentrationsgrenzen festgelegt. Näheres kann der CLP-Verordnung entnommen werden.

Risikobezogenes Maßnahmenkonzept (Ampelmodell)

Sehr ambitioniert, aber noch sehr in den Anfängen befindlich ist der Versuch, das statistische Erkrankungsrisiko für entsprechend wirksame Stoffe konzentrationsabhängig zu erfassen. Leitgedanke des dazu verwendeten Ampelmodells ist, dass das arbeitsplatzbedingte Risiko idealerweise keinen nennenswerten Beitrag zum allgemeinen Erkrankungsrisiko beitragen soll ("grüner Bereich" - "Akzeptanzkonzentration"). Ist das nicht möglich, darf der Beitrag allenfalls geringfügig sein ("gelber Bereich" - "Toleranzkonzentration"). Höhere Expositionen ("roter Bereich") erfordern Atemschutz als persönliche Schutzausrüstung sowie Maßnahmen, zumindest die Toleranzkonzentration zu erreichen und einzuhalten. Einzelheiten können der TRGS 910 entnommen werden.

Nichtamtliche Einstufungen

Die DFG-Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe trägt Daten zum Gefährdungspotential von Stoffen zusammen und erarbeitet daraus auf wissenschaftlicher Basis Vorschläge zu Einstufungen oder maximalen Arbeitsplatzkonzentrationen. Nicht immer werden diese Vorschläge vom AGS in Technische Regeln umgesetzt, weshalb es für eine vollständige Gefährdungsermittlung hilfreich ist, auch nachzusehen, ob es Empfehlungen der DFG-Senatskommission gibt. Das ist nicht schwer, denn entsprechende Empfehlungen kann man für einen gegebenen Stoff leicht in der GESTIS-Stoffdatenbank recherchieren (Kapitel "Vorschriften" -> "Empfehlungen der MAK-Kommission").