Nicht immer muss vollständig gekennzeichnet werden.

Für die Kennzeichnung von Chemikalien gibt es folgende Erleichterungen:

Kennzeichnung von Laborstandflaschen gemäß TRGS 201

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass eine vollständige Kennzeichnung bei Tätigkeiten nicht notwendig ist, kann eine vereinfachte Kennzeichnung angewendet werden. Vereinfachungen, d.h. Abweichungen von der vollständigen Kennzeichnung setzen eine entsprechende Betriebsanweisung mit der zugehörigen Unterweisung der Beschäftigten über die an den Arbeitsplätzen auftretenden Gefahren und die Beachtung der notwendigen Schutzmaßnahmen voraus.

Bei der vereinfachten Kennzeichnung sind mindestens die Bezeichnung des Stoffes bzw. Gemischs sowie die Gefahrenpiktogramm(e) (CLP-Verordnung) der jeweiligen Hauptgefahr(en) durch

  1. die physikalisch-chemischen,
  2. die gesundheitsgefährdenden und
  3. die umweltgefährlichen Wirkungen

des Stoffes oder Gemisches anzugeben.

Ist bei vereinfachter Kennzeichnung die Aussagekraft der Gefahrenpiktogramme zu unspezifisch, um die Gefahr zu beschreiben, kann es erforderlich sein, den Gefahrenhinweis, ggf. in geeigneter Weise verkürzt, oder andere Kurzinformationen (z.B. Bezeichnung der Gefahrenklasse) zu ergänzen.

Lösungsvorschläge dazu gibt es in Anhang 4 der BGI/GUV-I 850-0. Leider sind entsprechende Etiketten bisher nur relativ teuer beim Jedermann-Verlag erhältlich. Wer mit CLAKS Etiketten ausdruckt, bekommt dabei aber ebenfalls Piktogramme mit Gefahrenhinweisen (="Phrasen").

Kennzeichnung von (unbekannten) Reaktionsprodukten

Substanzen, deren Struktur noch gar nicht feststeht sowie Substanzen, für die eine Einstufung noch gar nicht bekannt ist, müssen und können natürlich nicht mit H- oder P-Sätzen gekennzeichnet werden. Nach § 8 der Gefahrstoffverordnung ist jedoch die Identifizierbarkeit sicherzustellen. Diese Forderung wäre zum Beispiel erfüllt, wenn alle neu hergestellten Substanzen mit einer systematischen Kodierung versehen werden und aus dem Laborjournal dann zu ermitteln wäre, wann diese unter welchen Bedingungen hergestellt wurden. Derartige Rückverfolgungsmöglichkeiten sind ja auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht verkehrt.

Kennzeichnung von Kleinmengen

Für bestimmte (tendentiell weniger gefährliche) Gefahrstoffe kann die Gefahrenkennzeichnung komplett entfallen, wenn das Behältervolumen nicht größer ist als 125 ml. Näheres ist in der TRGS 200 sowie in der CLP-Verordnung geregelt. (Lassen Sie Ihren pdf-Reader in der CLP-Verordnung nach der Zeichenfolge "125" suchen.) Das "wann-und-wann-nicht" ist leider insbesondere für die Kennzeichnung nach GHS-Regeln nicht sehr übersichtlich.