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Standzeiten von Handschuhen

Chemikalienschutzhandschuhe schützen nur für eine begrenzte Zeit. Das universelle Handschuhmaterial gibt es nicht. Jedes Handschuhmaterial hat vielmehr ein eigenes Resistenzspektrum. Für die Resistenz sind folgende Faktoren ausschlaggebend:

  • Penetration
    Chemikalienschutzhandschuhe dürfen keine - auch keine mikrofeinen Risse enthalten, durch die Flüssigkeiten hindurchsickern können.
  • Degradation
    Chemikalien dürfen innerhalb der Tragedauer das Handschuhmaterial nicht verändern (Aufquellen, Veränderung der Rissfestigkeit, Verhärtung, Bildung von Löchern)
  • Permeation
    Unter der Permeation versteht man das hindurchdiffundieren von Chemikalien durch den Handschuh. Die mechanischen Eigenschaften des Handschuhmaterials müssen sich dabei nicht notwendigerweise ändern.
  • Schichtdicke
    Dickeres Material schützt länger als dünneres Material. Die Schutzdauern von Einweghandschuhen liegen für Lösemittel in der Regel im Sekundenbereich.

Durchbruchszeiten werden in Minuten angegeben, denen Levels zugewiesen werden:

Durchbruchszeit Level
<10 min 0
>10 min 1
>30 min 2
>60 min 3
>120 min 4
>240 min 5
>480 min 6

480 Minuten entsprechen einem Arbeitstag. Für die Laborarbeit sind in der Regel keine Handschuhe mit einer Standzeit von einem Arbeitstag notwendig, da die Arbeiten an Apparaturen in der Regel kurzzeitig sind, weshalb nur ein Spritzschutz notwendig ist.

Die gemäß DIN EN 374 gemessenen Standzeiten werden in der Praxis nicht erreicht, weil das Handschuhmaterial sich bei Benutzung dehnt und verformt und weil sich der Handschuh auf Hauttemperatur erwärmt. Die tatsächliche Tragedauer sollte deshalb 50 % der angegebenen DIN-Standzeit nicht überschreiten. Innerhalb einer Charge sind Abweichungen von 30 % möglich. Ferner ist die Verarbeitung des Materials von großer Bedeutung, weshalb die von einem Hersteller angegebenen Standzeiten nicht auf Handschuhe eines anderen Herstellers übertragen werden können, auch wenn es sich um das gleiche Material handelt.

Schutzhandschuhe sind individuell nach dem jeweiligen Einsatzzweck auszuwählen. Nach DIN EN 374 kann ein Handschuh als "Chemikalienschutzhandschuh" bezeichnet werden, wenn er bei mindestens drei von insgesamt 12 genormten Chemikalien Level 2 erreicht. Zur groben Orientierung sind für gängige Schutzhandschuhmaterialien Spinnennetzdiagramme publiziert. Nachteil der ansonsten oft empfohlenen Nitrilhandschuhe ist deren Versagen gegenüber Aceton und Dichlormethan (Level 0).