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Methoxymethylchlorid (MOM-Cl; Chlormethyl-methylether)

Methoxymethylchlorid ist das Reagenz zur Einführung der MOM-Schutzgruppe. Die Substanz gilt als sehr stark krebserzeugend für den Menschen, wobei es noch etwas strittig ist, ob diese Wirkung durch enthaltenen Bis(chlormethyl)ether verursacht oder durch diesen nur noch weiter gesteigert wird. Nähere Angaben zum Wirkpotential siehe gesonderte Informationen. Die Verbindung siedet bereits bei 59 °C und hat damit ein hochgradig gefährliches Freisetzungspotenzial.

Methoxymethylchlorid ist käuflich nicht erhältlich und muss deshalb selbst hergestellt werden. Die über 100 Jahre alte klassische Synthese aus Chlorwasserstoff, Formaldehyd und Methanol liefert als Nebenprodukt beträchtliche Mengen des Bis(chlormethyl)ethers, der sich destillativ nicht vollständig abtrennen lässt. Lässt sich die Verwendung des Methoxymethylchlorids nicht vermeiden, so kann man wenigstens modernere Synthesen verwenden, bei denen kein Bis(chlormethyl)ether als Nebenprodukt entsteht, z.B. durch Herstellung aus aus Säurechloriden und Dimethoxymethan. Siehe

  • R.J. Linderman, M. Jaber, B.D.Griedel J. Org. Chem 59,6499-6500(1994)
  • M. Reggelin, S.Doerr Synlett 1117(2004)

Auch reines Methoxymethylchlorid entwickelt beim Stehenlassen Bis(chlormethyl)ether als Zersetzungsprodukt.

Ersatzstoffe

  • (2-Methoxyethoxy)-methylchlorid (MEM-Cl) ist ebenfalls krebserzeugend. Die Tatsache, dass Informationen über diesen Stoff spärlicher sind, darf nicht dazu führen, sich in falscher relativer Sicherheit zu wiegen, denn es handelt sich um eine weltweit nur in Kleinstmengen zu Forschungszwecken hergestellte Chemikalie, deren toxisches Potenzial deshalb noch keine offizielle Stelle interessiert hat. Obwohl ebenfalls krebserzeugend, gibt es aber zwei gesicherte Vorteile: Die Substanz ist hochsiedend (50 - 52 °C / 13 mm) und sie ist käuflich erhältlich.
  • (2-Chlormethoxyethyl)-trimethylsilan (SEM-Cl) ist demgegenüber nicht krebserzeugend. Auch diese Substanz kann man kaufen, sie ist mit etwa 40 €/ g jedoch sehr teuer.

Je komplizierter das Syntheseproblem, umso maßgeschneiderter müssen die Schutzgruppenreagentien sein. Pauschale Substitutionsempfehlungen können deshalb hier nicht gegeben werde. Ausgiebige Recherche ist unerlässlich. (z.B. T.W. Greene, P.G.M. Wuts, Protective Groups in Organic Synthesis, Whiley)