Springe direkt zu Inhalt

Gefährdungen

Chemiekenntnisse sind auch beim Sammeln von Abfällen von Vorteil

Das Hauptproblem beim Sammeln von Abfällen sind mögliche Reaktionen.

  • Leider wissen Sie in der Regel nicht - oder nicht mehr, was sich schon alles im Kanister befindet. Widmen Sie also Ihr Augenmerk der Substanz, die Sie entsorgen wollen.

Die reale Gefährdung steuern Sie über die aktuell eingefüllte Menge. Es gilt folgende Beziehung:

Wenn Sie ein Risikopotential sehen, dürfen Sie also nur wenig auf ein Mal einfüllen und umgekehrt. Die diversen nicht mehr brauchbaren Lösemittelabfälle einer chromatografischen Trennung können normalerweise also in einem Guss entsorgt werden. Gibt es hingegen z.B. mehrere Nutzer und jeder tut "irgendetwas" hinein oder Sie sind gerade dabei, nicht mehr benötigte Reagentien zu entsorgen, müssen Sie entsprechend vorsichtig sein.

Eigentlich wollen Sie gar nicht, dass da irgendwas in dem Behälter reagiert.

Es wird aber häufig der Fall sein, dass noch irgendwelche Reaktionen in dem Kanister ablaufen. Sie werden das nur im Regelfall nicht bemerken, weil die Reaktionen langsam und milde sind. Also formulieren wir neu:

Sie wollen keine virulenten Reaktionen in dem Sammelgefäß!

Dazu braucht es ein paar Sicherheitsmaßnahmen:

  • Schrauben Sie den Behälter beim Sammeln der Abfälle niemals gasdicht zu.
    Sollte eine Reaktion von einer Gasentwicklung begleitet sein, können diese Gase so drucklos entweichen. Drehen Sie lose einen Deckel auf, um Verdunstungsverluste klein zu halten. Es gibt auch professionelle Einfülltrichter für Abfallsammelgefäße, die diese Funktionen automatisch übernehmen können, nur sind diese sehr teuer und beeinträchtigen leider die Standsicherheit der dafür zu leichten Plastik-Kanister.
  • Schrauben Sie auch nach dem letzten Befüllen nicht gleich fest zu
    und dann bloß schnell ab damit, sondern lassen Sie nach dem letzten Befüllen noch eine Weile stehen. Wenn Sie wirklich gut sind, schrauben Sie kurz zu, vermischen anschließend den Inhalt noch mal gründlich durch Kippen, Schwenken oder Rollen des Kanisters und öffenen danach gleich wieder zur Druckentlastung. Wenn Sie in diesem Zustand noch einmal einen Tag stehen lassen, können Sie den Inhalt als ausreagiert betrachten.
  • Auch während des Sammelns ab und zu zu durchmischen ist nicht falsch.
    Die Mischungen können sich sonst übereinanderschichten und reagieren dann plötzlich, wenn Sie den Behälter transportieren, also z.B. woanders hinstellen. Bei jeder "wissenschaftlichen" Reaktion rühren Sie den Kolbeninhalt stundenlang durch. Warum sollten Abfallfraktionen auch ohne Handarbeit abreagieren, nur weil das Durchmischen da nicht so einen Spaß macht?
  • Bewahren Sie den Kanister beim Sammeln in einer Sicherheitswanne auf,
    damit Unglücke keine größeren Unglücke nach sich ziehen.
  • Vermeiden Sie es, carbonathaltige Substanzen in die Lösemittelbehälter zu geben.
    Lösemittelabfälle säuern gern im Laufe der Zeit mehr oder weniger nach, z.B. durch Hydrolyse vorhandener Halogenalkane. Wird die Mischung zu sauer, kann das Kohlendioxidgas aus der Mischung treiben. Druck und Platzgefahr - auch nach langer Latenz sind die möglichen Folgen.
  • Geben Sie potentiell reaktionsfähige Abfälle entweder gar nicht oder nur in kleinen Mengen bzw. portionsweise hinzu!
    Wenn Sie in den Kanister entsorgen, ist es um so sicherer je mehr Zeit Sie sich lassen! Ist viel zu entsorgen, hilft rühren. Alternativ kann jede organische Chemikalie auch als Einzelchemikalie entsorgt werden.

Natürlich: Sie sind Chemiker(in): Es fällt Ihnen also nicht schwer, sich eine Reaktion auszudenken, die einen reaktionsfähigen Abfall desaktiviert. Nur: In der Regel müssen Sie dazu Hilfsreagentien einsetzen. Lohnt sich das dann ökonomisch überhaupt noch? Bedenken Sie, dass Hilfsreagentien i.a. auch die Abfallmenge erhöhen. Sie haben also nicht nur  die Kosten für den Kauf, sondern auch die Kosten für die Entsorgung dieser Hilfsreagentien mit einzurechnen! Wenn es nicht gerade Wasser ist, mit dem Sie desaktivieren können, lohnt sich das meistens nicht. Auch die eingesetzte Arbeitszeit ist ein Faktor.