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Saure Reaktionsgase

Nicht einfach in die Atmosphäre jagen!

In der öffentlichen wie legislativen Wahrnehmung genießt der Gewässerschutz derzeit eine bedeutend höhere Priorität als der Schutz der Atmosphäre. Dennoch ist es indiskutabel, saure Reaktionsgase wie Chlorwasserstoff, Bromwasserstoff oder Schwefeldioxid durch den Abzug hindurch in die Atmosphäre abzublasen.

Grundsätzlich lassen diese Gas sich leicht in z.B. Natronlauge absorbieren. Das Problem dabei besteht aber in der hohen Reaktionswärme wie auch darin, dass sich diese Gase so begierig in der Lauge lösen, dass diese blitzartig zurücksteigen kann.

Es ist wichtig, bei allen nachfolgenden Konstruktionen PVC-Schläuche zu verwenden, weil mit Gummischläuchen schnell bröseliges "Gummibromid" oder "Gummichlorid" entsteht!
Beim Arbeiten mit Gaswaschflaschen schützt man sich davor üblicherweise durch das Vorschalten einer (leeren) Sicherheitswaschflasche, hätte hier aber das Problem, dass die Lauge dann bei Betrieb gern zwischen den Waschflaschen hin und her schaukelt. (Siehe Abbildung rechts)

Vermeiden lässt sich dies, in dem man das Einleitungsrohr nicht in die Lauge eintauchen, sondern dicht darüber enden lässt. Dazu muss man sich aus vorhandenen Glasapparaturbauteilen eine Waschflasche "basteln", bei der das Einleitungsrohr in der Höhe verstellbar ist. Nebenstehend sehen Sie zwei Vorschläge, von denen der erste einen freien Gasauslass hat und deshalb direkt am Abzugschacht aufgebaut werden muss. Hauptbestandteil ist in beiden Fällen ein Rundkolben, den man jeweils zur Hälfte mit der Lauge befüllt, weil dann die Absorptionsoberfläche am größten ist. Die Konzentration der Lauge wird der zu erwartenden Gasmenge angepasst. Da sich sowohl Chlorwasserstoff wie auch Bromwasserstoff extrem gut in Wasser lösen, ermöglichten diese Konstruktionen Rückhaltequoten von 80 % und besser. Rühren ist nicht notwendig, da die Säure schwerer als das reine Wasser ist, sinkt sie auf den Boden des Kolbens ab, was man an den Schlieren leicht erkennen kann.

Fällt sowieso Kühlwasser an, d.h. entstehen die Gase in einer zum Sieden erhitzten Flüssigkeit, kann man sich wie aus der nebenstehenden Abbildung ersichtlich, aus einem Dimrothkühler, einem Vorstoß und einem Gasableitungsrohr einen einfachen Gaswäscher bauen und mit dem gebrauchten Kühlwasser betreiben, welches dazu aber nicht durch die Kühlwendeln, sondern durch die Öffung A eingespeist wird. Anschluss B wird mit der Apparatur verbunden. Die Kühlschlangen des Dimrothkühlers haben keinen anderen Sinn, als das im Kühler herablaufende Wasser ein wenig aufzuhalten und gut zu verteilen, so dass das über den Seitenstutzen B eintretende Gas sich gut im Wasser lösen kann. Statt des Kühlers kann man deshalb z.B. auch eine Vigreux-Kolonne verwenden. Mit einem geraden Vorstoß sieht die Apparatur zwar "schöner" aus, aber der gebogene Vorstoß funktioniert genauso gut und sieht einfach nur etwas "verwegener" aus.

Wichtig:

Das Kühlwasser darf bei der letzten Variante den unteren Kühlerauslass nicht "zupfropfen" sondern muss drucklos ablaufen können. Andernfalls steigt es in die Apparatur zurück! Ein "Zupfropfen" tritt ein,

  • wenn man eine NS14-Apparatur verwendet anstatt einer NS29-Apparatur,
  • wenn man das Kühlwasser unverhältnismäßig (=unvernünftig) stark strömen lässt oder
  • wenn man die Anschlüsse A und B vertauscht.

Die untere Öffnung des Kühlers bzw. der Kolonne wird über ein Ausgussbecken positioniert. Die entstehende verdünnte Säure muss nicht neutralisiert werden, weil der pH-Wert der Laborabwässer vor der Übergabe in das öffentliche Abwassernetz automatisch neutralisiert wird.