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Risikoanalyse eine zerbrochenen Energiesparlampe

Wissen macht angstfrei

Etwas Historie muss sein:

Sie sind Ihr ganzes Leben mit Leuchtstofflampen (Leuchtstoffröhren, falsch auch "Neonröhren" genannt) groß geworden. Diese Leuchtmittel haben zu Iher Zufriedenheit schon immer das Innere von Warenhäusern, Parkgaragen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Kellern - ja selbst den schicken Spiegelschrank in Ihrem Badezimmer, die Wohnzimmervitrine oder das Aquarium angenehm schattenfrei erhellt oder als sog. "Schwarzlicht" in der Disko für die richtige Stimmung gesorgt. Durch technischen Fortschritt kann man diese Leuchtstofflampen nunmehr so klein herstellen, dass man Sie auf den Sockel einer Glühbirne montieren und mit der so erhaltenen Energiesparlampe die Glühbirne ersetzen kann.

Das war bisher in niemandes Augen ein Problem, nur jetzt, wo man den Verbrauchern die lieb gewordene Glühbirne verboten hat, treten plötzlich selbst ernannte Experten auf den Plan, die uns als "Lichtbiologen" ungesundes Flackerlicht einreden wollen (was man durch moderne Vorschaltgeräte längst beseitigt hat) oder Farbverfälschungen monieren (Künstler beanstanden das und sie mögen Recht haben. Ich als Altagsnutzer habe das aber noch nie als Problem erlebt.) Insbesondere gibt es daneben dann auch wieder die Hysteriker, die das enthaltene Quecksilber als Teufelszeug brandmarken.

Das Quecksilber ist der eigentliche Lichtspender einer Leuchtstofflampe, also auch jeder Energiesparlampe. Ohne geht es also nicht! Das Quecksilber muss dazu in der Lampe verdampfen, was es bei Erwärmen besser tut als in kaltem Zustand, weshalb Energiesparlampen typischerweise ihre volle Lichtstärke erst nach einiger Zeit erreichen.

Früher, als Ihnen das Quecksilber in den "Neonröhren" noch egal war, enthielten diese bis zu 200 mg Quecksilber, die man zum Beispiel zu "DDR-Zeiten" in den Waggon-Beleuchtungen der Berliner S-Bahn in den Kurven als hin- und her schaukelndes Tröpfchen sehen konnte. Heutzutage dürfen Kompaktleuchtstofflampen nicht mehr als 2,5 mg Quecksilber enthalten. Moderne Leuchtmittel kommen heute schon mit 1,5 mg aus. Bereits mit 8 maximal zulässig belasteten Fischmalzeiten nehmen Sie mehr Quecksilber auf, als in der zerbrochenen Lampe steckt.

Wenn Sie eine Energiesparlampe zerbrechen, läuft Ihnen das Quecksilber allerdings nicht mit einem Plumps aus dem Glas, sondern es steckt vor allem fein verteilt in dem weißlichen Belag an der Innenseite der Glaswand, der im übrigen dafür zuständig ist, dass die von dem Quecksilber eigentlich erzeugte harte UV-Strahlung beim Betrieb vollständig in ein angenehmes sichtbares Licht umgewandelt wird. Die feine Verteilung des Quecksilbers rührt daher, dass das Quecksilber in der Lampe bereits vielfach verdampft und wieder kondensiert ist. Sie kennen das vom Duschen: Hinterher ist die gesamte Badezimmerwand feucht und das kondensierte Wasser versammelt sich also leider nicht direkt am Bodeneinlauf, um dort mit einem Schrubberschubs bequem entsorgt werden zu können.

Wenn eine Energiesparlampe zerbricht, hat das den Nachteil, das das Quecksilber von der großen Oberfläche recht schnell verdunstet. Auch das kennen Sie vom Badezimmer: Wenn Sie nach dem Duschen das Badezimmer lüften, ist das Wasser viel schneller von der Wand verdunstet, als wenn es eine Pfütze wäre, die auf den Schrubberschubs wartet. Die Sparlampe setzt also sofort nach dem Bruch die am ehesten relevante Menge an Quecksilber frei - und hat danach nicht mehr viel zu bieten. In diese Richtung weisen auch Messungen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, wobei unter unterschiedlichen Bedingungen Energiesparlampen im einem 50 m3 großen Raum zerbrochen und der Quecksilbergehalt über etwa 100 Stunden hinweg beobachtet wurde. Wenn Sie also das nach dem Bruch freigesetzte Quecksilber gleich weglüften, dürfte schon wieder weitgehend Ruhe im Karton sein.

Weil die Leute vor dem Quecksilber Angst haben, schreiben die Hersteller von Sparlampen immer deutlicher auf die Packungen, dass in der Lampe gar kein Quecksilber mehr drin ist, sondern ein Amalgam - also eine Quecksilberlegierung. Das ist eine Mischung von Quecksilber mit anderen Metallen. In der Tat hat das Vorteile: Das Amalgam ist nicht mehr flüssig, sondern ein kleines, festes Kügelchen. Wenn die neue Lampe beim Schütteln klappert, ist das vermutlich das Amalgamkügelchen und es ist also nichts kaputt. Wenn dick "Kein Quecksilber, sondern bloß Amalgam" auf der Packung steht und es klappert nicht, dann haben Sie die Lampe nicht von einem Betrüger gekauft, sondern das Amalgamkügelchen steckt in einem kleinen Käfig und kann nicht mehr klappern. Geht so eine Amalgam-Lampe kaputt, kann es kein freies Quecksilber in der Lampe geben, sondern nur den weißen Belag, auf dem Quecksilber adsorbiert ist und die Amalgamkugel. Selbst wenn die Amalgamkugel in den Staubsauger gerät: Das Quecksilber ist dort immobilisiert und kann sich nicht in Ritzen verkriechen, oder Metallteile Ihres Staubsaugers durch Amalgamierung verseuchen. Die Amalgamkugel emittiert zwar noch Quecksilberdampf, den der Staubsauger hinten rauspustet, aber sobald Sie den Staubbeutel gewechselt haben, ist die Kugel weg und alles ist rückstandsfrei wie vorher.

"Amalgam" kennen Sie als Zahnfüllung. Das zeigt, dass Amalgame so harmlos sein können, dass man sie sogar dauerhaft im Mund haben kann. Nicht jedes Amalgam ist aber dasselbe. Ihre Zahnfüllung soll zum Beispiel gar keinen Quecksilberdampf entwickeln, die Amalgamkugel in der Leuchtstofflampe hingegen sehr wohl. Nach den Messungen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit scheint es aber so zu sein, dass eine Sparlampe mit Amalgam bei einem Bruch weniger Quecksilber freisetzt als eine Sparlampe mit reinem Quecksilber.

Es gibt Leuchtstofflampen, in denen die Glaskörper in bruchfesten Gehäusen aus durchsichtigem Kunststoff stecken. Die ausgewiesene Energieeffizienz scheint dann zwar oft etwas geringer zu sein - vielleicht, weil man dann nicht so viel Raum für die Glasröhren hat, in den sie ihr Licht abstrahlen können - aber es bestehen gute Chancen, dass diese Lampen sowohl die etwas zu forsche Hand beim Einschrauben oder -stecken wie auch einen Sturz heil, oder wenigstens ohne Quecksilberfreisetzung überstehen.

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