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Das Freisetzungspotential des Quecksilbers nach Thermometer oder Leuchtmittelbruch

Theoretische Abschätzungen und experimentelle Messungen

Das Umweltbundesamt hat in einer ersten orientierenden Messung unmitelbar nach dem Bruch einer Energiesparlampe eine gegenüber dem Richtwert RW II von 0,35 µg/m3 um den Faktor 20 erhöhte Raumluftbelastung detektiert, die sich nach dem Lüften aber rasch wieder normalisiert. Sie wissen schon, dass diese kurze Überschreitung weder Ihnen noch Ihrem Kind etwas anhaben kann.

Eine Energiesparlampe kommt schon heute mit etwa 1,5 mg Quecksilber aus und darf auch nicht mehr als 2,5 mg Quecksilber enthalten. Nehmen wir an, nach einem Lampenbruch bleibt die gesamte gesetzliche Höchstmenge von 2,5 mg Quecksilber unentdeckt und also auch unbeseitigt, so dass es mit der Raumluft äquilibrieren kann. Nehmen wir an, das Unglück wäre in einem Zimmer mit einer Fläche von 2,5 x 4 Metern und einer Deckenhöhe von 2,70 Metern passiert. Dieses Zimmer hätte ein Volumen von 27 m3. Nehmen wir schließlich an, das Quecksilber würde schlagartig komplett verdunsten und wir würden dem Dampf mit einem Ventilator gleichmäßigst im Raum verteilen. Die erreichte Atemluftkonzentration wäre dann 0,09 mg/m3, also immer noch um den Faktor 2600 höher als der RW I-Wert. Daraus folgt zweierlei:

  • Um diesen Raum mit Quecksilberdampf zu sättigen, müssten Sie 155 Sparlampen zerbrechen und über die Scherben hinwegsehen.
  • Wäre es so, dass sich das Quecksilber tatsächlich in dieser Weise verhielte, wäre das Problem sehr schnell lösbar: Sie öffnen einfach das Fenster - und weg ist der Spuk.

Quecksilber verdunstet ja aber eben gerade nicht schlagartig! Das ist es ja gerade was Sie so besorgt macht: Sie befürchten doch gerade, bis an Ihr Lebensende von Quecksilber gequält zu werden. Wenn das Quecksilber aber so lange überleben soll, darf es nicht verdunsten, kann also nichts an die Raumluft abgeben. Verinnerlichen Sie bitte, dass das Quecksilber nur unter Selbstaufgabe sein Giftwerk tun kann. Also entweder macht es die Raumluft giftig - muss dabei aber verdunsten, oder es wird Ihr ständiger Mitbewohner, muss dann aber alle Verdunstungen einstellen. Nur 2,5 mg Quecksilber zu unterstellen, diese Menge könnte bis in alle Ewigkeit eine Gefahr darstellen, ist Hysterie!

Wir stellen jetzt mal an dieses doofe Quecksilber die Forderung, dass es ja meinetwegen verdunsten könne, aber bitteschön so langsam, dass täglich nur so viel Quecksilberdampf entwickelt wird, dass der RW I-Wert eingehalten bleibt. Der Kuhhandel besteht darin, dass Sie ein Mal täglich lüften und das Kügelchen dann wieder das zugestandene Quentchen von seinen Gemeinheiten in die Raumluft abgeben darf. In diesem Fall würde das Kügelchen Sie 7 Jahre lang ärgern können, bis es vollständig verdunstet ist.

Das ist ganz schön lange, aber es gilt folgende Relation: Nur wenn das Kügelchen offenen Zugang zur Raumluft hat, wird es schneller verdunsten können. Dann ist es aber sehr wahrscheinlich, dass es sich nicht vor Ihnen, insbesondere nicht vor Ihrem Staubsauger verbergen kann. Versteckt es sich hingegen tief in einer Ritze, ist der Luftaustausch schlecht, und es wird nur ganz langsam verdunsten. Wenn Sie dem Kügelchen erlauben wollen, Konzentrationen bis zum RW II-Grauzonenwert aufzubauen, schrumpft die angegebene Zeitspanne überdies auf ein Zehntel, also knapp 8 Monate.

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