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Daten zur Gefährdung durch Quecksilber

Seien Sie misstrauisch gegenüber Personen, die sich etwas angelesen haben und meinen, jetzt Ahnung zu haben!

  • Wie für alle kommerziell erhältlichen Substanzen, so gibt es auch für Quecksilber ein sogenanntes Sicherheitsdatenblatt. Es handelt sich dabei um eine genormte Pflichtinformation des Herstellers zum Gefahrenpotential und zu den Schutzmaßnahmen. Wenn Sie das Sicherheitsdatenblatt von Quecksilber lesen, werden Sie wahrscheinlich glauben, dass Sie gerade die Hölle in Ihrer Wohnung haben. Wahrscheinlich haben ja auch die o.g. Hysteriker das Sicherheitsdatenblatt gelesen und kommen sich nun mit ihrem Geschrei als Retter der Menschheit vor.

    Ich bin nicht der Chemiker, der in einem stinkenden und brodelnden Höllenkeller werkelt und niemanden für voll nimmt, der nicht mindestens drei Finger durch Schwefelsäure oder anderes Teufelszeug verloren hat, sondern es ist so, dass die Verfasser von Sicherheitsdatenblättern vor allem die gewerbliche Nutzung, also die Nutzung von Tonnen im Auge haben. Ihr Problem besteht hingegen in einer winzigen Menge, die Sie ja nun auch noch so schnell wie möglich wieder loswerden wollen!

    Sie zweifeln?
    OK, ein Test: Lesen Sie das folgende Sicherheitsdatenblatt und beantworten Sie die Frage, ob sie es tolerieren würden, diese Substanz in Ihrem Haushalt zu haben. Der Substanzname ist unkenntlich gemacht. Dafür sind die "gefährlichen Stellen" bereits farblich hervorgehoben. Am Ende des Dokuments sehen Sie die Auflösung.

    Wenn Sie es nicht lassen können und also doch das Sicherheitsdatenblatt für Quecksilber lesen müssen, sollten Sie wenigstens ein bisschen verstehen, was dort drinsteht. Dazu ein paar exemplarische Hilfen:

    - Die "spezifische Zielorgantoxizität" ist die etwas monströs klingende amtschinesische Formulierung dafür, dass die dauernde Aufnahme bestimmte Organe schädigt. Im Falle des Quecksilbers ist das das Nervensystem.

    - Die Angabe "P309+P310 BEI Exposition oder Unwohlsein: Sofort GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt" gilt, wenn Sie wirklich etwas abbekommen, also z.B. 1000 Fieberthermometer gleichzeitig zerbrochen haben.

    - "P304+P340 BEI EINATMEN: An die frische Luft und in einer Position ruhigstellen, die das Atmen erleichtert." bedeutet, dass das notwendig wird, wenn Sie wirklich Atembeschwerden durch das Quecksilber bekommen und also nicht, wenn Sie gerade vor Angst einen Kloß im Hals haben.

    - "Handschuhe aus Nitrilkautschuk" müssen Sie dann tragen, wenn Sie gewerbsmäßig mit Quecksilber umgehen und diesem den ganzen Arbeitstag ausgesetzt sind. Quecksilber ist durch die Haut nur schlecht resorbierbar und außerdem mag das Quecksilber Ihre Haut überhaupt nicht: Es igelt sich als Kugel ein und versucht, so wenig Kontaktfläche mit Ihrer Haut zu haben, wie nur irgend möglich. Wenn Ihnen also etwas Quecksilber über die Hand rollt, macht das überhaupt nichts! Es sollte nur nicht in die Bekleidung gelangen, wo es viele Falten, Taschen, Kragen, Innenfutter und ähnliche Verstecke findet, in denen es hartnäckig persistieren kann.

    Dem Sicherheitsdatenblatt können Sie immerhin u.a. den Dampfdruck des Quecksilbers entnehmen. Er beträgt bei 20 °C 0,0017 hPa. Das bedeutet, dass in einer mit Quecksilberdampf maximal gesättigten Luft das Quecksilber genau diesen Beitrag zum aktuellen Luftdruck liefert. Der atmosphärische Luftdruck beträgt etwa 1000 hPa. Bei 20 °C mit Quecksilber gesättigte Luft enthält also 0,0017/1000 = 0,00017 % Quecksilber. So kleine Werte gibt man gern lieber in parts per million an. das wären also 1,7 ppm oder umgerechnet 14 mg/m3. Der Dampfdruck steigt mit zunehmender Temperatur. Bei Wasser sagt man es gern anders herum - und eigentlich falsch: "Die warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen." Aber in Wirklichkeit ist hier wie dort einfach nur der Dampfdruck höher.

  • Für Quecksilber existieren diverse Grenzwerte. Die Einhaltung dieser Grenzwerte bedeutet, dass dann nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht mit einem Risiko zu rechnen ist. Quecksilber ist ein der Menschheit schon lange bekannter Stoff, weshalb im Falles des Quecksilbers auch der Erkenntnisstand gut ist. Es gilt die Feststellung von Parazelsius: "Es ist die Menge, die aus einem Ding ein Gift macht." Es ist also nicht so, dass schon das erste inhalierte Quecksilberatom schon ein kleines bisschen giftig ist, sondern so, dass der Körper mit einer gewissen Menge problemlos fertig wird. Erst wenn es mehr ist, kann er sich nicht mehr erfolgreich wehren.
    • Arbeitsplatzgrenzwert
      Der Name sagt schon, dass dieser Wert für den Arbeitsplatz gilt. Die Risikofreiheit gilt also für eine nur 8-stündige Exposition täglich und stellt in Rechnung, dass es belastungsfreie Wochendenden und auch mal einen Urlaub gibt. Der Arbeitsplatzgrenzwert beträgt bei Quecksilber zur Zeit 0,02 mg/m3 Atemluft. Aktuelle Grenzwerte können Sie in der TRGS 900 nachlesen. Der Luftgrenzwert am Arbeitsplatz hieß früher mal MAK-Wert (=Maximale Arbeitsplatzkonzentration).
    • Biologischer Grenzwert
      Quecksilber gehöhrt zu den wenigen Stoffen, für die ein "Biologischer Grenzwert" definiert ist. Das ist ein amts-chinesischer Fachbegriff und besagt, dass die Giftkonzentration im menschlichen Körper selbst gemessen wird - üblicherweise im Blut oder im Urin. Wird bei der Messung der "Biologische Grenzwert" unterschritten, so geht man davon aus, dass kein Risiko besteht. Das bedeutet zweierlei:

      1. Sie können dauerhaft eine kleine messbare Menge Quecksilber im Körper haben, ohne dass dies für Sie ein Krankheitsrisiko darstellt.

      2. Sie können Ihre eigene persönliche Quecksilberbelastung direkt durch Bestimmung Ihres aktuellen "Biologischen Wertes" überprüfen lassen.

      Aktuelle Biologische Grenzwerte finden Sie in der TRGS 903.

    • Richtwerte des Umweltbundesamtes
      Weil im letzten Jahrhundert noch sehr viele Leute Quecksilberthermometer heruntergeworfen haben, hat das Umweltbundesamt 1999 Richtwerte für den häuslichen Innenraumbereich verfügt. Es gibt 2 Richtwerte:
      • RW I: 0,035 µg/m3 Wird dieser Wert eingehalten, geht man von der Risikofreiheit aus.
      • RW II: 0,35 µg/m3 Wenn Sie genau hinsehen: Der RW II-Wert ist nichts weiter als das 10fache des RW I-Wertes. Konzentrationen in diesem Bereich werden als Grauzone angesehen.
      Beachten Sie, dass der RW I-Wert etwa um den Faktor 570 niedriger liegt als der Arbeitsplatzgrenzwert. Der Anspruch, zu Hause keine Quecksilberbelastung ertragen zu müssen, ist also ungleich höher als bei einer beruflich bedingten Exposition. Das hat damit zu tun, dass bei Expositionen am Arbeitsplatz u.U. gewisse geringfügige gesundheitliche Folgen in Kauf genommen werden, wohingegen der häusliche Bereich die absolute "no-go-area" ist. Die Richtwerte für den Wohnbereich wurden von der "Innenraumlufthygiene-Kommission" vorgeschlagen, die dazu eine Empfehlung herausgegeben hat, in der die Höhe der Richtwerte begründet wird. Das ist ein sehr langer und schwieriger Text. Ich rate deshalb dazu, das jetzt erst mal nicht zu lesen - es sei denn, Ihre Kinder wären bereit, längere Zeit allein in der Küche zu bleiben und dabei hintereinander 50 Joghurts aufzuessen.
    • Was bedeuten alle diese Grenzwerte?
      Die Werte sind als einzuhaltende Dauerbelastung zu verstehen. Die gegenwärtige Hysterie hat ihre Ursache vor allem darin, dass irgendwer z.B. feststellt, dass nach Sparlampenbruch irgendein Grenzwert überschritten wird. Ungeschulte fühlen sich dann regelmäßig sofort akut vergiftet und es fällt ihnen schwer zu glauben, dass eine kurzzeitige Überschreitung des Grenzwertes belanglos ist und das Problem erst dann zum Problem wird, wenn es persistiert und die Konzentration dauerhaftso hoch bleibt.

      Stellen Sie sich vor, dass Sie zwischen zwei parkenden Autos gerade die Straße überqueren wollen. In dem Augenblick, in dem Sie sich zwischen den beiden Autos befinden, wird im vorderen Auto der Motor gestartet. Sie bekommen eine stinkende Auspuffwolke in die Nase, die so viel Kohlenmonoxid und nicht besonders gesunde Kohlenwasserstoffe enthält, dass Sie ziemlich schnell sterben würden, wenn Sie das dauerhaft einatmen müssten. In der Regel haben Sie sich aber vermutlich bisher nur über den lästigen Mief geärgert und sind weitergelaufen - und haben dabei wieder normale Luft geatmet, was Ihnen das Leben gerettet hat. Bei Quecksilberdämpfen ist die Situation nicht anders!

      Beim Arbeitsplatzgrenzwert sind die Dinge übrigens ganz genau definiert. In der TRGS 900 heisst es: "Arbeitsplatzgrenzwerte sind Schichtmittelwerte bei in der Regel täglich achtstündiger Exposition an 5 Tagen pro Woche während der Lebensarbeitszeit." Zusätzlich darf aber eine bestimmte Expositionsspitze zu keiner Zeit überschritten werden. Es wäre ja schließlich keiner glücklich, der morgens erst mal ein paar tiefe Atemzüge Quecksilber zu inhalieren hätte gegen das Versprechen, für den Rest des Tages nichts mehr inhalieren zu müssen. Die Expositionsspitzen sind stets vielfache des Arbeitsplatzgrenzwerts und betragen bei Quecksilber derzeit das 8-fache des Arbeitsplatzgrenzwerts, also 0,16 mg/m3. Eine höhere Quecksilberkonzentration darf also zu keinem Zeitpunkt in die Nase.

  • Wenn sich flüssiges Quecksilber bei Raumtemperatur vollständig mit Raumluft äquilibrieren kann, wird entsprechend den genannten Zahlen der RW I-Wert um das 400.000-fache überschriten, der Arbeitsplatzgrenzwert immer noch um das 700-fache. Sie merken davon leider nichts, weil Quecksilberdampf geruchlos ist. ... Oha, jetzt haben Sie es wieder mit der Angst bekommen - stimmt's? dagegen hilft, noch ein kleines bisschen mehr zu rechnen.

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