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Cyanidverbindungen

Reine Substanzen als Einzelchemikalie entsorgen, aus Lösungen kann eine Vernichtung oder Fällung besser sein.

Entsorgung von Gebinden

Es wird ohne weitere Vorbehandlung als Einzelgebinde entsorgt.

Lösungen

Bei Cyanid-Lösungen lohnt eventuell eine Abfallbehandlung, um Entsorgungskosten zu sparen.

a) Vernichtung mit Wasserstoffperoxid

In diesem Fall entsteht nur Ammoniak/Stickstoff und Kohlendioxid, weshalb im Anschluss ins Abwasser entsorgt werden kann. Die Methode ist allerdings nur für reine wässrige Lösungen verwendbar. Da bei der Reaktion eine erhebliche Menge Gase entwickelt werden, führen Sie die Reaktion in einem großen, hohen Becherglas aus, welches Sie in eine Schale einstellen, die im Falle des Überkochens den gesamten Inhalt aufnehmen kann. Stellen Sie den pH-Wert auf 10 - 11 ein und versetzen Sie mit einem Überschuss Wasserstoffperoxid. Die Reaktion ist sehr exotherm, kommt aber erst allmählich in Gang. Nach Literaturangaben wird das Cyanid in diesem pH-Bereich zu Cyanat oxidiert, allerdings wurde in eigenen Versuchen eine kräftige Entwicklung von Ammoniak detektiert. Man lässt die Gasentwicklung abklingen und säuert dann allmählich auf einen pH-Bereich von etwa 8-9 weiter an. Das Ansäuern ist von einer weiteren heftigen Gasentwicklung begleitet, die aber schließlich nachlässt. Die Mischung wird ausreichend lange, mindestens bis zum Abklingen der Wärmetönung stehen gelassen. Firma Merck empfiehlt, die Vollständigkeit der Reaktion mit "Merckoquant®Cyanid-Teststäbchen" zu überprüfen. Wer das nicht anschaffen will, kann mit einem Iodidkriställchen wenigstens auf Überschuss des Oxidationsmittels prüfen. Der Nachweis des Cyanids als "Berliner Blau" ist in in aller Regel nicht mehr möglich, weil überschüssiges Oxidationsmittel das Eisen(II) sofort zu schlechtlöslichen Eisen(III)-Verbindungen oxidiert.

b) Fällung als "Berliner Blau"

Diese Methode ist recht unkritisch. Sie funktioniert sowohl bei wässrigen wie auch bei organischen Reaktionslösungen, die z.B. Ethylenglycol enthalten. Die Mischung wird mit einer Eisen(II)-sulfatlösung versetzt. Im allgemeinen entstehen die zur Bildung des "Berliner Blau" notwendigen Eisen(III)-Ionen durch Luftoxidation selbständig, weshalb sich der ausfallende zunächst ziegelrote Niederschlag allmählich blau färbt. Will man diesen Vorgang beschleunigen, kann man dazu Luft durch die Reaktionsmischung leiten. Abhängig vom Fe2+/Fe3+-Verhältnis können unterschiedliche Produkte entstehen. Der ausgefallene Niederschlag wird abfiltriert und zur Entfernung organischer Lösungsmittelreste mit Wasser nachgewaschen. Eine nachfolgende Oxydation der als Berliner Blau gefällten Cyanide entsprechend der Variante a) ist nicht möglich.