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Forschung an Luftfiltern für erregerfreie Räume und an einer Therapie von Gelenkerkrankungen wird gefördert

News vom 22.10.2021

An der Freien Universität Berlin sind zwei neue biochemische Forschungsvorhaben bewilligt worden. Das Ausgründungsprojekt „Novirall“ wird im Programm „EXIST Forschungstransfer“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie mit rund 950.000 Euro gefördert. Ziel ist die Produktion von Luftfiltern, die Viren unschädlich machen. „ArthroGlide“, ein Gemeinschaftsprojekt der Freien Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, wird im Programm „VIP+“ des Bundesforschungsministeriums mit rund 1,5 Millionen Euro unterstützt. Im Rahmen des Projekts soll ein synthetisches Hydrogel validiert werden, das gegen Osteoarthrose in Gelenke gespritzt werden kann und dort Entzündungen lindert und den mechanischen Abrieb des Gelenkes verhindert.

Projekt Novirall

Das Ziel des Projekts „Novirall“ ist die Gründung eines Polymertechnologie-Unternehmens, das viruzide – also Viren unschädliche machende – Luftfilter entwickelt und herstellt. Die viruziden Beschichtungen in den Luftfiltern sollen eine erregerfreie Luft in geschlossenen Räumen bewirken; sie sollen gegen infektiöse Erreger wie Influenza A (saisonale Grippe), SARS-CoV-2 (Erreger der COVID-19-Pandemie) und das humane Coronavirus NL63 (Erreger der Erkältung) wirken. Im Rahmen des Projekts soll eine Plattformtechnologie optimiert werden, die bereits erfolgreich im Labor entwickelt und hergestellt wurde. Diese neue viruzide Luftreinigungstechnologie soll Herstellern von Luftfiltern zugänglich gemacht werden. Das Ausgründungsprojekt wird von Januar 2022 an von Paria Pouyan geleitet. Die aus dem Iran gebürtige Polymerchemikerin promoviert am Arbeitsbereich von Prof. Dr. Rainer Haag vom Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität.

Projekt ArthroGlide

Die Osteoarthrose (OA) ist mit etwa 250 Millionen Betroffenen weltweit die häufigste degenerative Gelenkerkrankung. Bislang gibt es kein Medikament und keine chirurgische Therapie, um die OA aufzuhalten. Bei der bisher gängigen Behandlung werden intraartikuläre Injektionen mit Hyaluronsäure (HA) verabreicht. Dieser als Viskosupplementation bezeichnete Ansatz reduziert die mechanische Reibung und die sogenannten Scherkräfte im Gelenk. Allerdings ist der therapeutische Nutzen begrenzt, weil das Mittel durch gewebeständige Enzyme schnell abgebaut wird.

Ziel des Projekts „ArtroGlide“ ist es, ein neuartiges Viskosupplement zu entwickeln, welches durch eine lange Stabilität wiederholte Injektionen vermeiden hilft und zugleich der Entzündung entgegenwirkt. Zum Einsatz kommt ein vollsynthetisches auf Polyglycerol basierendes Hydrogel (PEGGS), das unempfindlich gegen den enzymatischen Abbau ist und die Osteoarthrose hemmt, wie in einem In-vitro-Modell gezeigt werden konnte.

Im Rahmen des Projekts wollen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ergebnisse validieren und eine klinische Anwendung vorbereiten. Dr. Shabnam Hemmati-Sadeghi ist Koordinatorin des Projektes am Arbeitsbereich von Prof. Dr. Rainer Haag von der Freien Universität Berlin und der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Michael Sittinger von der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Die gebürtige Iranerin hatte das Hydrogel im Rahmen ihrer Doktorarbeit getestet.

Profund Innovation

Unterstützung erhalten die beiden Projekte von der Service-Einrichtung Profund Innovation sowie dem Patent- und Lizenzservice in der Abteilung Forschung. Profund Innovation unterstützt Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Alumni dabei, Anwendungsideen für ihre Forschung zu entwickeln, Start-ups oder Spin-offs zu gründen sowie Forschungsergebnisse gemeinsam mit etablierten Unternehmen zu verwerten.

Der Patent- und Lizenzservice ist zuständig für sämtliche Fragen Angehöriger der Freien Universität Berlin zum rechtlichen Schutz von Forschungsergebnissen jeder Art und der praktischen Umsetzung deren Nutzung durch Dritte sowie deren kommerzieller Verwertung.

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Haag, Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 838-53358 (Sekr.), E-Mail: haag@chemie.fu-berlin.de



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