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Schwangerschaft und arbeiten im chemischen Labor?

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§ 5 der Mutterschutzrichtlinienverordnung nennt die folgenden Beschränkungen:

  • Werdende Mütter dürfen mit krebserzeugenden, fruchtschädigenden oder erbgutverändernden Stoffen gar nicht, mit sehr giftigen, giftigen, gesundheitsschädlichen oder den Menschen in sonstiger Weise chronisch schädigenden Gefahrstoffen nur bei Unterschreitung des Grenzwertes beschäftigt werden. Die Beschränkung für den Umgang mit krebserzeugenden, fruchtschädigenden oder erbgutverändernden Stoffen gilt dann nicht, wenn die werdende Mutter diesen Stoffen beim bestimmungsgemäßen Umgang nicht ausgesetzt ist. In strenger Auslegung tritt dieser Fall bereits dann ein, wenn in dem Raum, wo die werdende Mutter sich aufhält, eine Flasche mit dem entsprechenden Gefahrstoff geöffnet wird.
  • Stillende Mütter dürfen mit krebserzeugenden, fruchtschädigenden oder erbgutverändernden sowie mit sehr giftigen, giftigen, gesundheitsschädlichen oder den Menschen in sonstiger Weise chronisch schädigenden Gefahrstoffen nur bei Unterschreitung des Grenzwertes beschäftigt werden.
  • Alle gebährfähigen Frauen dürfen mit Stoffen, die Blei oder Quecksilberalkyle enthalten, nur bei Unterschreitung des Grenzwertes beschäftigt werden.

Unter Grenzwert ist zu verstehen:

  • Der Arbeitplatzgrenzwert (Luftgrenzwert) gemäß TRGS 900.
  • Der Biologische Grenzwert (Üblicherweise Konzentration in Blut oder Harn) gemäß TRGS 903.

Nach § 4 der Mutterschutzrichtlinienverordnung hat der Arbeitgeber jegliche Gefährdung für schwangere oder stillende Frauen auszuschließen. Es ist bekannt, dass Unbedenklichkeitsgrenzen nicht ohne weiteres auf den Schwangerschaftsfall übertragbar sind. (Denken Sie z.B. an "Contergan") In der TRGS 900 wird deshalb - so weit bekannt - in einer Bemerkungsspalte durch Buchstaben kenntlich gemacht, ob bei Einhaltung des Grenzwerts im Falle einer Schwangerschaft ein Risiko auszuschließen ist (Kennbuchstabe: Y) oder nicht (Kennbuchstabe: Z). Gibt es weder Grenzwert noch generelles Umgangsverbot, so muss der Arbeitgeber in eigener Verantwortlichkeit ermitteln.

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Im Gegensatz zur Gefahrstoffverordnung sind Studierende in der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz in dem dort verwendeten Begriff "Beschäftigte" nicht eingeschlossen. Der Einbezug der Studierenden erfolgt über die BGI/GUV-I 8666 (Tätigkeiten mit Gefahrstoffen in Hochschulen).

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Gemäß der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz dürfen schwangere Frauen krebserzeugenden, mutagenen und reproduktionstoxischen Stoffen nicht ausgesetzt sein. Ob ein Stoff eine oder mehrere dieser Eigenschaften hat, erkennt man in einem ersten Schritt an der Gefahrstoffkennzeichnung des Etiketts:

Krebserzeugende Stoffe:

R-Sätze

R 45 Kann Krebs erzeugen.
R 49 Kann Krebs erzeugen beim Einatmen.

H-Sätze (CLP) H350 Kann Krebs erzeugen
H350i Kann bei Einatmen Krebs erzeugen.

Mutagene (erbgutverändernde Stoffe)

R-Sätze R 46 Kann vererbbare Schäden verursachen.
H-Sätze (CLP) H340 Kann genetische Defekte verursachen

Reproduktionstoxische Stoffe

R-Sätze R 60 Kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.
R 61 Kann das Kind im Mutterleib schädigen.
H-Sätze (CLP) H360 Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib schädigen.
H360F Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
H360D Kann das Kind im Mutterleib schädigen.

Es ist auch möglich, dass dem Etikett nur der Verdacht auf Wirkpotential zu entnehmen ist. Es ist dann Sache des Arbeitgebers (=Arbeitsgruppenleiters), diesen Umstand gemäß § 4 der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz zu bewerten. Verdachtsmomente werden auf dem Flaschenetikett wie folgt notiert:

R-Sätze R 40 Verdacht auf krebserzeugende Wirkung.
R 68 Irreversibler Schaden möglich.
R 62 Kann möglicherweise die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.
R 63 Kann das Kind im Mutterleib möglicherweise schädigen.
H-Sätze (CLP) H351 Kann vermutlich Krebs erzeugen.
H341 Kann vermutlich genetische Defekte verursachen
H361f Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
H361d Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen.

Nicht als solche gekennzeichnete KMR-Stoffe

Es ist leider auch möglich, dass ein Stoff ein Wirkpotential hat, welches nicht auf dem Flaschenetikett vermerkt ist. Das ist nicht nur dann der Fall, wenn das Wirkpotential bisher noch gar nicht endeckt wurde sondern kann auch dann der Fall sein, wenn vorhandene Befunde kontrovers gedeutet werden. Dahinter steckt das Problem, dass die EU für etwa 3000 Stoffe die Kennzeichnung verbindlich vorschreibt ("Harmonische Einstufung"). Ist es nun so, dass z.B. ein Stoff europaweit als Verdachtsstoff registriert ist, der Ausschuss für Gefahrstoffe in Deutschland diese Verdachtsmomente aber zur Gewissheit erklärt, dann ist der Stoff "woanders" eben ein Verdachtsstoff, in Deutschland ist er aber als erwiesenermaßen wirksam anzusehen. Das Problem liegt darin, dass Deutschland bei Vorliegen einer "Harmonischen Einstufung" nicht legitimiert ist, Änderungen am Etikett vorzunehmen.

Auf dem Etikett ist es in diesem Fall also nicht zu sehen, dass der Stoff zum Beispiel als krebserzeugend anzusehen ist!

Der Ausschuss für Gefahrstoffe hat lediglich die Möglichkeit, seine Erkenntnisse in der TRGS 905 rechtsverbindlich zu veröffentlichen.

Um erschöpfend festzustellen, ob ein Stoff zum Beispiel als krebserzeugend anzusehen ist oder nicht, muss also immer auch die TRGS 905 konsultiert werden.

Das ist nicht so aufwändig wie es klingt, denn die TRGS 905 enthält nur wenige Chemikalien, die für den Hochschulbereich Relevanz haben. Das wichtigste Beispiel ist sicher Chloroform.

Zu einer erschöpfenden Ermittlung, ob ein Stoff ein kmr-Potential hat oder nicht, muss es auch gehören, die "MAK-Kollektion" der DFG-Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe zu konsultieren. Nicht alle durch diese Kommission zusammengetragene wissenschaftlichen Befunde schaffen über den Ausschuss für Gefahrstoffe den Weg zur Rechtverbindlichkeit, weshalb die Daten der "MAK-Kollektion" rechtlich nur eine Information sind, die freilich zur Beurteilung gemäß § 4 der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz sehr hilfreich ist, zumal dort auch die Hintergründe der Beurteilung recherchierbar sind. Für einen konkreten Stoff kann man die empfehlende Einstufung der DFG-Senatskommission auch in der GESTIS-Stoffdatenbank (Kapitel "Vorschriften" -> "Empfehlungen der MAK-Kommission") nachschlagen.

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Da es oft Zusammenhänge zwischen der molekularen Struktur und dem krebserzeugendes Potential gibt, kann man Datenbanken solcher krebsverdächtiger Strukturmerkmale anlegen und daraus mit einer gewissen Treffsicherheit das krebserzeugende Potential einer unbekannten Verbindung vorhersagen. Ein kostenlos nutzbares Online-Tool ist der Osiris Property Explorer.

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Für die Beratung zur Arbeitsplatzbeurteilung einer schwangeren Beschäftigten ist der Betriebsarzt zuständig.

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