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Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien

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Das GHS-Kennzeichnungssystem ist normalerweise in jedem teilnehmenden Staat umzusetzen. Bei den Mitgliedsländern der Europäischen Union ist es die EU selbst, die das GHS-System durch die CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packaging) umgesetzt hat. Die Verordnung hat in den EU-Mitgliedsländern unmittelbare Rechtskraft, die dort geregelten Dinge sind also in allen EU-Mitgliedsländern gleich geregelt.

Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass die Einstufung eines Stoffes normalerweise Sache des Herstellers ist. In der CLP-Verordnung sind davon abweichend in Anhang VI etwa 3000 Stoffe mit einer dadurch "amtlich" festgelegten Einstufung aufgelistet (sog. "Harmonische Einstufung"). Die Entsprechende Kennzeichnung für diese Stoffe muss deshalb in allen EU-Mitgliedsländern verbindlich in gleicher Weise vorgenommen werden.

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GHS-Piktogramme
Das Original von der UNECE in verschiedenen Formaten.

GHS-Piktogramme mit Gefahrenkennzeichnung
zur Verwendung im Rahmen einer vereinfachten Kennzeichnung.

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GHS - Kurz erklärt

Die "kurze" Schrift des Umweltbundesamts wird von Auflage zu Auflage immer länger und umfasst aktuell 134 Seiten.  Trotzdem lohnt die Lektüre, weil sie aufgrund der guten Systematik keineswegs unbedingt von vorn bis hinten durchgelesen werden muss, sondern sich vielmehr und insbesondere auch als Nachschlagewerk eignet.

 

GHS-Poster zur GHS-Einstufungssystematik

Das Poster der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt übersichtlich die GHS-Systematik auf, nach der die Gefahren in Klassen und deren Abstufung in Kategorien eingeteilt wird.

 

GHS-Poster mit GHS-Kennzeichnungselementen

Alle Piktogramme sowie alle H- und P-Sätze mit graphischem Vergleich mit der bisherigen Kennzeichnung.

 

GHS-Konverter

Online-Umrechnungstool der BG-RCI, mit dem man näherungsweise eine bestehende Einstufung nach altem EU-Recht in die GHS-Einstufung umwandeln kann. Die Treffsicherheit lässt sich erhöhen, wenn weitere Gefährdungsdaten (z.B. Flammpunkt LD50-Werte) zur Verfügung stehen.

 

H/P-Sätze

Wikipedia Deutsch / Englisch 

Uni Münster Deutsch/Englisch (mit schön farbig herausgearbeiteter Systematik)

 

IFA-Report Gefahrstoffliste

Nach EU-Recht (CLP-Verordnung) ist die Kennzeichnung von ca. 3000 Substanzen derzeit amtlich festgelegt (= "Harmonische Einstufung"). Darüber hinaus gibt es für diverse Substanzen nationale Festlegungen, z.B. Arbeitsplatzgrenzwerte. Die telefonbuchstarke Schrift enthält "alles", was "amtlicherseits" für konkrete Chemikalien festgelegt wurde und erspart dadurch die Notwendigkeit, sich diese Informationen aus Einzelquellen zusammensuchen zu müssen. Sie kann kostenlos bestellt oder Online heruntergeladen werden. Wer das nur für eine konkrete Chemikalie braucht, findet diese Angaben aber auch in der GESTIS-Stoffdatenbank oder in den Sicherheitsdatenblättern.


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R/S-Sätze

nach altem EU-Recht

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Für die Kennzeichnung von Chemikalien gibt es folgende Erleichterungen:

Kennzeichnung von Laborstandflaschen gemäß TRGS 201

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass eine vollständige Kennzeichnung bei Tätigkeiten nicht notwendig ist, kann eine vereinfachte Kennzeichnung angewendet werden. Vereinfachungen, d.h. Abweichungen von der vollständigen Kennzeichnung setzen eine entsprechende Betriebsanweisung mit der zugehörigen Unterweisung der Beschäftigten über die an den Arbeitsplätzen auftretenden Gefahren und die Beachtung der notwendigen Schutzmaßnahmen voraus.

Bei der vereinfachten Kennzeichnung sind mindestens die Bezeichnung des Stoffes bzw. Gemischs sowie die Gefahrenpiktogramm(e) (CLP-Verordnung) der jeweiligen Hauptgefahr(en) durch

  1. die physikalisch-chemischen,
  2. die gesundheitsgefährdenden und
  3. die umweltgefährlichen Wirkungen

des Stoffes oder Gemisches anzugeben.

Ist bei vereinfachter Kennzeichnung die Aussagekraft der Gefahrenpiktogramme zu unspezifisch, um die Gefahr zu beschreiben, kann es erforderlich sein, den Gefahrenhinweis, ggf. in geeigneter Weise verkürzt, oder andere Kurzinformationen (z.B. Bezeichnung der Gefahrenklasse) zu ergänzen.

Lösungsvorschläge dazu gibt es in Anhang 4 der BGI/GUV-I 850-0. Leider sind entsprechende Etiketten bisher nur relativ teuer beim Jedermann-Verlag erhältlich. Wer mit CLAKS Etiketten ausdruckt, bekommt dabei aber ebenfalls Piktogramme mit Gefahrenhinweisen (="Phrasen").

Kennzeichnung von (unbekannten) Reaktionsprodukten

Substanzen, deren Struktur noch gar nicht feststeht sowie Substanzen, für die eine Einstufung noch gar nicht bekannt ist, müssen und können natürlich nicht mit H- oder P-Sätzen gekennzeichnet werden. Nach § 8 der Gefahrstoffverordnung ist jedoch die Identifizierbarkeit sicherzustellen. Diese Forderung wäre zum Beispiel erfüllt, wenn alle neu hergestellten Substanzen mit einer systematischen Kodierung versehen werden und aus dem Laborjournal dann zu ermitteln wäre, wann diese unter welchen Bedingungen hergestellt wurden. Derartige Rückverfolgungsmöglichkeiten sind ja auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht verkehrt.

Kennzeichnung von Kleinmengen

Für bestimmte (tendentiell weniger gefährliche) Gefahrstoffe kann die Gefahrenkennzeichnung komplett entfallen, wenn das Behältervolumen nicht größer ist als 125 ml. Näheres ist in der TRGS 200 sowie in der CLP-Verordnung geregelt. (Lassen Sie Ihren pdf-Reader in der CLP-Verordnung nach der Zeichenfolge "125" suchen.) Das "wann-und-wann-nicht" ist leider insbesondere für die Kennzeichnung nach GHS-Regeln nicht sehr übersichtlich.

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Die Einstufung eines Stoffes erfolgt in der Weise, dass zunächst zu untersuchen ist, welche Gefahrenklassen des GHS-Kennzeichnungssystems zutreffen und gfls. welcher Kategorie innerhalb einer Gefahrenklasse der Stoff zuzuordnen ist.

Aus der Zuordnung zu einer Kategorie einer Gefahrenklasse folgt eine Einstufung mit dem dafür vorgesehenen H-Satz und dem zugehörigen Piktogramm. Die nach vollständiger Einstufung vorliegende Gesamtheit der Piktogramme kann dabei leicht inflationär unübersichtlich werden.

Beispiel:

Folgen aus der Einstufung z.B. die folgenden Piktogramme,

so hat das "Ausrufezeichen" neben dem "Totenkopf" keine sinnvolle Warnwirkung mehr. Gemäß Artikel 26 der CLP-Verordnung darf es deshalb bei der Kennzeichnung weggelassen werden. Artikel 26 nennt folgende Vereinfachungen:

Neben... ... darf weggelassen werden
und

bei Haut- oder Augenreizung

bei Sensibilisierung der Atemwege


bei Sensibilisierung der Haut
oder Haut- oder Augenreizung

Gibt es innerhalb einer Gefahrenklasse mehrere Einstufungen, so wird nur das Piktogramm für die schwerwiegenste Kategorie zugeordnet.

Beispiel:

Lautet in der Gefahrenklasse "akute Toxizität" eine Einstufung "giftig bei Verschlucken" eine weitere "gesundheitsschädlich bei Hautkontakt", So wird nur das Totenkopf-Piktogramm für die Einstufung "giftig" angebracht.

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