DE | EN
Direktzugang
Drucken (Miniaturbild)
Bildstreifen Sicherheit/Notfall

Handschuhe

Alles ausblendenAlles einblenden

Hinweise zur Verwendung von Schutzhandschuhen findet man in den Sicherheitsdatenblättern oder in der GESTIS-Stoffdatenbank. Bei der labortypischen Vielzahl an Chemikalien wird es oft unzweckmäßig sein, mehr als zwei verschiedene Handschuhmaterialien vorrätig zu halten. Da ohnehin ein Spritzschutz in der Regel ausreichend ist, ist es oft besser, lieber billigere Handschuhe zu verwenden, bei denen es leicht fällt, diese auch nach kurzer Tragedauer zu verwerfen.

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass für eine problematische Chemikalie nur Handschuhe mit unzureichender Standzeit zur Verfügung stehen, kann man die Schutzwirkung durch das Übereinanderziehen zweier Handschuhe wesentlich verbessern. Dazu zieht man unter den Chemikalienhandschuh noch einen Einweghandschuh. Das ist zwar ein bisschen fummelig, aber da zwischen den beiden Handschuhen kein vollflächiger Kontakt besteht, dauert es erheblich länger, bis die Chemikalie bis zur Haut durchgebrochen ist. Wer will, kann dazu auch verschiedene Handschuhmaterialien kombinieren.

Hersteller von Schutzhandschuhen publizieren für ihre Ware Resistenztabellen, die verlässlich sind, weil die Hersteller für die Einhaltung der Angaben haften müssen. Sehr empfehlenswert ist der "Chemikalienmanager" der Firma KCl, bei dem es sich um eine herunterladbare Datenbank handelt.

Links zum Thema

Direktlink

Dauerndes Tragen von Schutzhandschuhen führt zum Aufquellen der Haut, die dadurch Chemikalieneinwirkungen viel schutzloser ausgesetzt ist. Außerdem begünstigt das feuchtwarme Innenklima die Keimbildung, was zu Hauterkrankungen führen kann. Ist die Haut dauerhaft dem feuchtwarmen Klima eines Handschuhs ausgesetzt, führt das zu Hautdegenerationen ("Abnutzungsekzem"). Werden Handschuhe täglich länger als 2 Stunden getragen ist gemäß der Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge eine arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten, ab 4 Stunden täglich ist diese verpflichtend.

  • Wechseln Sie Handschuhe häufig! Tragen Sie keine verschwitzten Handschuhe!
  • Lassen Sie verschwitzte Handschuhe vor erneuter Verwendung gut ablüften!
  • Ersetzen Sie verschlissene Handschuhe rechtzeitig durch neue!
  • Einmalhandschuhe sind keine Chemikalienschutzhandschuhe!

Das falsche Tragen von Schutzhandschuhen kann schädlicher sein, als wenn man gar keine Handschuhe trägt!

Links zum Thema

Direktlink

Hinter dieser vielleicht etwas abschreckend anmutenden Begrifflichkeit verbirgt sich nichts weiter als der eientlich selbstverständliche Umstand, dass es Sache des Arbeitsgruppenleiters ist, via Gefährdungsbeurteilung auch die Maßnahmen zum Hautschutz festzulegen. Dazu gehört:

  • Die Festlegung, welche Handschuhe für welche Arbeiten zu tragen sind.
  • Die Festlegung, wie lange Handschuhe getragen werden dürfen.
  • Reinigungs- und Pflegevorschriften für die Hände.

Beispiele für Reinigungs- und Pflegevorschriften:

  • Zur Reinigung der Hände dürfen keine Scheuerpulver oder Lösemittel verwendet werden.
  • Zur Rückresorption nicht wasserlöslicher Chemikalien kann man die betroffenen Hautflächen mehrfach mit Polyethylenglycol 400 benetzen und nach kurzer Einwirkungszeit mit Wasser abspülen.
  • Da die Haut der Hände durch die Laborarbeit stark strapaziert wird, ist auf gute Pflege mit einer Hautcreme zu achten.
  • Zusätzlich kann man eine spezielle Arbeitsschutzcreme bereitstellen, deren Funktion man zweckmäßig aussucht. Es gibt Cremes, die das Aufquellen der Haut in schweißnassen Handschuhen verzögern oder die die Hautoberfläche mit einem abdichtenden Film versehen, der das Eindringen von Chemikalien erschwert.

Die Gesamtheit aller verfügten Maßnahmen nennt man Hautschutzplan.

Links zum Thema

Direktlink

Chemikalienschutzhandschuhe schützen nur für eine begrenzte Zeit. Das universelle Handschuhmaterial gibt es nicht. Jedes Handschuhmaterial hat vielmehr ein eigenes Resistenzspektrum. Für die Resistenz sind folgende Faktoren ausschlaggebend:

  • Penetration
    Chemikalienschutzhandschuhe dürfen keine - auch keine mikrofeinen Risse enthalten, durch die Flüssigkeiten hindurchsickern können.
  • Degradation
    Chemikalien dürfen innerhalb der Tragedauer das Handschuhmaterial nicht verändern (Aufquellen, Veränderung der Rissfestigkeit, Verhärtung, Bildung von Löchern)
  • Permeation
    Unter der Permeation versteht man das hindurchdiffundieren von Chemikalien durch den Handschuh. Die mechanischen Eigenschaften des Handschuhmaterials müssen sich dabei nicht notwendigerweise ändern.
  • Schichtdicke
    Dickeres Material schützt länger als dünneres Material. Die Schutzdauern von Einweghandschuhen liegen für Lösemittel in der Regel im Sekundenbereich.

Durchbruchszeiten werden in Minuten angegeben, denen Levels zugewiesen werden:

Durchbruchszeit Level
<10 min 0
>10 min 1
>30 min 2
>60 min 3
>120 min 4
>240 min 5
>480 min 6

480 Minuten entsprechen einem Arbeitstag. Für die Laborarbeit sind in der Regel keine Handschuhe mit einer Standzeit von einem Arbeitstag notwendig, da die Arbeiten an Apparaturen in der Regel kurzzeitig sind, weshalb nur ein Spritzschutz notwendig ist.

Die gemäß DIN EN 374 gemessenen Standzeiten werden in der Praxis nicht erreicht, weil das Handschuhmaterial sich bei Benutzung dehnt und verformt und weil sich der Handschuh auf Hauttemperatur erwärmt. Die tatsächliche Tragedauer sollte deshalb 50 % der angegebenen DIN-Standzeit nicht überschreiten. Innerhalb einer Charge sind Abweichungen von 30 % möglich. Ferner ist die Verarbeitung des Materials von großer Bedeutung, weshalb die von einem Hersteller angegebenen Standzeiten nicht auf Handschuhe eines anderen Herstellers übertragen werden können, auch wenn es sich um das gleiche Material handelt.

Schutzhandschuhe sind individuell nach dem jeweiligen Einsatzzweck auszuwählen. Nach DIN EN 374 kann ein Handschuh als "Chemikalienschutzhandschuh" bezeichnet werden, wenn er bei mindestens drei von insgesamt 12 genormten Chemikalien Level 2 erreicht. Zur groben Orientierung sind für gängige Schutzhandschuhmaterialien Spinnennetzdiagramme publiziert. Nachteil der ansonsten oft empfohlenen Nitrilhandschuhe ist deren Versagen gegenüber Aceton und Dichlormethan (Level 0).

Links zum Thema

Direktlink

Google-Suchen:

Laborordnung Str
Chemikalienbeständigkeit
Laborordnung Str
Auswahl von Handschuhen