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Bildstreifen Sicherheit/Notfall

Notfallentsorgung verschütteter Chemikalien

Nachfolgende Hinweise gelten für laborübliche Kleinmengen von Stoffen, die nach einem Verschütten ein erhebliches Gefahrenpotential entfalten. Sie sind als allgemeine Hinweise zu verstehen und entbinden nicht von der Verantwortung, eine konkret vorgefundene Gefahrensituation selbst zu beurteilen und entsprechende Maßnahmen eigenverantwortlich zu treffen.

Grundsätzlich gibt es folgende Möglichkeiten:

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Lösemittel entsorgen sich selbst.

Wenn Substanzen eine hohe Flüchtigkeit haben, kann man sie einfach ablüften lassen. Verlassen Sie so lange das Labor bzw. halten Sie den Frontschieber des betroffenen Abzuges geschlossen, bis alles verdunstet ist.

Sind größere Volumina leichtentzündlicher Flüssigkeiten verschüttet, entfernen Sie zusätzlich alle Zündquellen (Flammen löschen, Licht und Elektrogeräte ausschalten). Zündfähige Lösemittelmengen sind i.a. nicht atembar. In einem typischen Labor des Instituts mit einem Raumvolumen von ca. 220 m3 müssten bei angenommener Gleichverteilung im Raum z.B. 10 l Diethylether verdampfen, um eine zündfähige Atmosphäre zu erzeugen. Schon ein zehntel der Konzentration erzeugt Schwindelanfälle. Die tatsächliche Konzentrationsverteilung ist schwieriger zu beurteilen, da organische Lösemitteldämpfe einerseits nach unten absinken und sich am Boden durchaus zu zündfähigen Konzentrationen anreichern können. Andererseits werden die Institutslabore (deshalb) gerade auch in Bodennähe abgesaugt. Das Abschalten von Elektrogeräten direkt nach dem Verschütten wird keine Explosionen verursachen, weil die Luftkonzentration dann auf jeden Fall noch zu niedrig ist.

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Aufnehmen mit saugfähigem Material

In der Literatur werden diverse Bindemittel beschrieben, die man auf verschüttete Flüssigkeiten geben kann. Entsprechende Pulver oder Granulate haben den Vorteil, chemisch inert zu sein - es kann also nichts passieren.

Nur: Wie bekommt man Pulver oder Granulat wieder weg?

In der Regel sind dazu Werkzeuge wie Handbesen und Schaufel notwendig, die hinterher kontaminiert sind. Eine brauchbare Alternative ist Zellstoff. Er hat ein gutes Saugvermögen und hält auch in nassem Zustand einigermaßen zusammen, weshalb er nach der Verwendung mit Pinzette oder Tiegelzange gegriffen und in ein Entsorgungsgefäß gegeben werden kann. Man legt einfach Blättchen für Blättchen auf die betroffene Fläche, wartet, bis diese sich vollgesaugt haben und nimmt sie dann weder ab.

Zellstoff hat dafür den Nachteil nicht inert zu sein. Insbesondere sind Oxidationsmittel gefährlich. Stoffe wie Schwefelsäure,  Salpetersäure oder Brom dürfen deshalb keinesfalls mit Zellstoff aufgenommen werden!

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Zusammenfegen ist oft nicht gut.

Es wird häufig das Zusammenfegen empfohlen. Was aber, wenn die Substanz staubt?

Ist das Malheur außerhalb des Abzuges passiert, landet der Staub woanders - gefährdet ist vor allem die Bekleidung!

Der Feststoff muss ja nicht unbedingt aufgelöst werden, aber wenn er z.B. mit Wasser angefeuchtet werden kann, ist das Staubproblem gelöst.

Gibt man Wasser in dicken Tropfen oder gar im Sprühstrahl auf den Feststoff, erzeugt auch das Stäube.
Besser ist ein weicher Sprühstrahl.
Sprühwasser erzeugt man mit einer Blumenspritze oder mit einer ausgedienten Haushaltsreinigerflasche.

Mit Wasser reagierende Stoffe kann man so natürlich nicht behandeln - aber vielleicht gibt es andere Lösemittel die geeignet sind.

Aufnehmen muss man nicht unbedingt mit Kehrblech und Schaufel. Wenn man die Menge kontaminierter Gegenstände klein halten will, kann man das Problem vielleicht mit Pappkärtchen (z.B. Karteikarten) zusammenschieben oder kratzen und damit vielleicht sogar aufschaufeln.

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Verdünnen ist nie falsch

Kann man bei Schwefelsäure vielleicht noch überlegen, ob sich ein inertes Bindemittel finden lässt, so wird man bei konzentrierter Salzsäure oder rauchender Salpetersäure lieber die aggressiven Dämpfe schnellstmöglichst unter Kontrolle bringen wollen, bei der Salpetersäure darüber hinaus auch die akute Brandgefahr durch das starke Oxidationspotential.

Alle diese Säuren lassen sich durch Verdünnen mit Wasser desaktivieren. Weil die verschütteten Säuren nur als Film auf dem Boden oder auf der Arbeitsfläche liegen, gibt es eine vorzügliche Wärmeableitung, weshalb heftige Reaktionen des Wassers z.B. mit Schwefelsäure nicht zum Verspritzen führen. Selbst Chlorsulfonsäure reagiert unter diesen Bedingungen einigermassen moderat, freilich unter Bildung massiver Mengen von Salzsäuregas, weshalb die Desaktivierung in diesem Fall Abstand und einen wirksamen Atemschutz erfordert, wenn das Problem außerhalb des Abzugs aufgetreten ist.

Die verdünnten Säuren können mit Natriumhydrogencarbonat neutralisiert werden. Man schüttet dazu die Substanz auf die Pfütze, bis es an keiner Stelle mehr schäumt. Anschließend kann aufgenommen oder in den Bodeneinlauf gespült werden. Es ist mit einem massiven Reinigungsaufwand zu rechnen, da bei der Neutralisation eine große Menge Salz entstanden ist und deshalb mehrfach nachgewischt werden muss, bis die Fläche salzfrei abtrocknet.

Im Abzug verschüttete kleinere Mengen können auch direkt mit Wasser in den Ausguss gespült werden.

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Cool bleiben!

Die Haltung gegenüber Quecksilber ist ein wenig hysterisch geworden.

Ja, es ist "sehr giftig" beim Einatmen - nur hat es eben einen miserablen Dampfdruck, weshalb auf der ganzen Welt bislang nur etwa 10 Menschen an einer akuten Quecksilbervergiftung gestorben sind.

Es ist die anhaltende Aufnahme von Quecksilber, die gefährlich ist. Verschüttetes Quecksilber muss deshalb beseitigt werden. Diese Beseitigung kann aber beherzt und ohne Atemschutz erfolgen.

Verschüttetes Quecksilber lässt sich prima zusammenfegen oder zusammenbürsten - ohne dass in Pinsel- oder Bürstenhaaren irgendetwas hängen bliebe. Das weitere Verfahren ist bei der regulären Entsorgung beschrieben.

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