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Entsorgung von Kleinmengen ins Abwasser

Folgende Substanzen dürfen in 'Kleinmengen' ins Abwasser entsorgt werden:

  • Leichtmetallsalze, wie z.B. Calciumchlorid oder Natriumsulfat
  • Mineralsäuren (Salzsäure, Schwefelsäure, Phosphorsäure)
  • Natronlauge, Kalilauge

Aber was ist eine Kleinmenge? Diese Frage kann Ihnen niemand beantworten. Alle wissen, dass wenig Substanz auch wenig ökologische Probleme macht. Da aber niemand genaue Kenntnis über die ökologische Relevanz hat, werden Sie als Antwort meistens hören: "Im Zweifelsfall lieber als Sondermüll entsorgen". Je ahnungsloser Ihr Ratgeber, umso kleinere Mengen sind dann keine "Kleinmengen" mehr, denn jeder Ratgeber hat Angst, dass er einen falschen Rat geben könnte und damit am Ende zu einer strafbaren Handlung auffordern würde.

Inmitten einer durchaus manchmal auch hysterischen Umgebung müssen Sie also weitgehend selbst eine Entscheidung treffen. Dafür gibt es keine direkten Kriterien, sondern nur Ihr Bauchgefühl. Was ist das für ein Abfall, für den Sie die Kleinmengenerleichterung in Anspruch nehmen wollen?

  • Wie umweltbelastend ist er wirklich?
  • Ist er abbaubar oder persistiert er auf ewig?
  • Ist es ein seltener Abfall, oder produzieren alle Ihre Labornachbarn und vermutlich sogar das ganze Haus tagein tagaus den gleichen Abfall - jeder davon selbstverständlich nur eine kleine Menge?
  • Gibt es eine didaktische Motivation, den auszubildenden Nachwuchs zu einer ganzheitlichen Sichtweise zu erziehen?

Sie werden bei Quecksilber um jedes Mikrogramm kämpfen, damit es nicht ins Abwasser gelangt, bei Natriumsulfat jedoch erheblich großzügiger sein. Überlegen Sie bis zum Ende, was es denn bedeutet, den Stoff als Sonderabfall zu entsorgen. Im Falle des Natriumsulfats hieße das beispielsweise, dass es bei der Entsorgung durch Verbrennung auf 1200 °C erhitzt werden müsste und dabei Schwefeltrioxid abspalten würde, welches durch entsprechende Rauchgaswäsche aus den Brandgasen herausgefiltert werden müsste.

Gut - aus den gefilterten Rauchgasen kann man vielleicht Gipsplatten machen, aber die Schlacke geht in die Untertage-Deponie. Stellt man Aufwand und Nutzen gegenüber, so ist ernsthaft zu überlegen, ob die in Kauf genommene Aufsalzung des Abwassers bei einer Entsorgung ins Ausgussbecken gegenüber dem erheblichen Ressourceneinsatz, der für die Verbrennung notwendig ist, nicht die ökologisch bessere Alternative ist.

Für ein paar Stoffe sind Höchstmengen im Abwasser in der Indirekteinleiterverordnung festgelegt. Vor allem gilt das für bestimmte Schwermetalle wie Quecksilber, aber zum Beispiel auch Kupfer. Die harten Zahlen helfen Ihnen trotzdem wenig, denn wie hoch Konzentration oder stündliche Fracht am Übergabepunkt des Instituts sind, wissen Sie ja gar nicht. Die in der Indirekteinleiterverordnung aufgeführte Liste signalisiert Ihnen nur "Achtung! Aufpassen!"

Wenn Ihre Kleinmenge nicht zu den problematischen Kleinmengen gehöhrt, hilft vielleicht, dass es häufig heißt "laborübliche Kleinmenge". Darunter versteht man Mengen bis maximal in den Kilogrammbereich.